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unserbieristreinDer erste Schuss war diskret.

In der Februar-Ausgabe der Zeitung „Bier“ (Publikationsorgan der Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt) konnte man lesen: „In der Schweiz gilt das Reinheitsgebot ebenfalls.“ Peng ! Kurz und prägnant. Und natürlich falsch. So falsch und lächerlich, dass ich mich entschloss, nicht direkt auf diese Aussage zu reagieren, sondern eher einen Artikel vom Bier Historiker Ronald Pattinson über das Reinheitsgebot auf meinem Blog zu publizieren. In diesem Artikel wird vor allem der Mythos einer angeblichen höherwertigen Qualität der „Reinheitsgebot-Bieren“ auseinander genommen. Ein wichtiger Punkt, da diese merkwürdige Idee noch in zu vielen Köpfen – auch in der Schweiz – gesteckt ist. Dass das Reinheitsgebot in der Welt und auch in der Schweiz gesetzlich für die Definition von Bier irrelevant ist, soll doch jeder wissen.

Schön wär’s ! Die 2. Salve wurde gerade in der August-Ausgabe abgefeuert. Schauen wir doch diesen Artikel zusammen an.

Zurzeit mehren sich in den Gazetten und Blogs die spitzen Bemerkungen gegen das Reinheitsgebot. Das Reinheitsgebot sei zum Einheitsgebot verkommen. Der Bierkonsument verlange nach Abwechslung, nach Geschmackserlebnissen, nach Überraschungen und Verfremdungen, wird keck behauptet.

In dieser Einleitung gibt der unbekannte Autor (der Text ist nicht unterschrieben) – weiter hier als Hr. 1516 genannt – den Ton an. Man spürt seine Meinung: das Reinheitsgebot hat nicht zu einheitlichen Biere geführt. Doch, indirekt schon. Obwohl – wie er dies richtigerweise später schreibt – mit nur Wasser, Hopfen, Malz und Hefe sehr viele verschiedene Biere sich brauen lassen, ist es in Deutschland nicht der Fall. Das langjährige Beharren an eine Gleichung „Reinheitsgebot=gutes Bier“ hat viele deutsche Brauer erlaubt, die forgetrgProduktionskosten zu drücken und billige Einheitsprodukte als „hochwertig“ zu vermarkten. Die angebliche Überlegenheit, die durch das Reinheitsgebot verliehen wurde, führte Deutschland zu einer Abkapselung sowie eine Abwertung der anderen Braukulturen. Aus diesen Gründen hat Deutschland sehr lange die Revolution der Bier Welt ignoriert (wieso nicht, sie waren ja in ihren Augen die Besten) und steht heute Meilen weg von vielen Ländern wie zum Beispiel die USA, Dänemark oder Italien um nur wenige zu nennen. Es mag aber so viel Biervielfalt mit Einhaltung des Reinheitsgebots möglich sein, eine Tatsache bleibt evident: mit zusätzlichen Bestandteilen erreicht man noch vieles mehr.

Dann scheint Hr. 1516 das steigende Interesse der Bierkonsumenten an Geschmackserlebnisse anzuzweifeln. Tja, ich kann ihm nur empfehlen, Bierbars und Bierfestivals zu besuchen. Und vielleicht auf das Oktoberfest zu verzichten …

Es geht natürlich weiter:

Zur Erinnerung: Das Reinheitsgebot gilt in Bayern und besagt, dass nur Wasser, Hopfen, Malz und Hefe ins Bier dürfen.“

Ohhhh ! Sechs Monate nach dem ersten Artikel musste das Reinheitsgebot den Rückzug aus der Schweiz antreten. So schnell kann dies gehen. Aber, lieber Hr. 1516, in diesem Fall heisst es nicht „Zur Erinnerung:“ sondern „Korrektur:“. Es sei denn, der erste Artikel war nicht von Hr. 1516 und in diesem Fall ist noch eine Richtigstellung vom Redaktor überfällig ;-)

Das Beste kommt aber zum Schluss:

In der Schweiz sagt das Gesetz, dass nur Bier ist, das folgende sechs Bestandteile aufweisen muss, beziehungsweise aus ihnen hergestellt wurde: Trinkwasser, Hopfen, Malz, Hefe, Kohlensäure und Alkohol. Fehlt einer dieser Bestandteile (z.B. Alkohol) oder ist ein siebenter Bestandteil drin (z.B. Banane) ist das nach Gesetz kein Bier. Es kann aber als «Getränk mit Bier» verkauft werden. Mit den sechs Bestandteilen, Wasser, Hopfen, Malz, Hefe, Kohlensäure und Alkohol lassen sich tausende von verschiedenen Bieren herstellen. Zugegeben: der Brauer ist gefordert, wenn er mit diesen sechs Bestandteilen sein Bier im Brauprozess steuert. Aber Brauen ist eben eine Kunst und die will gelernt sein. Damit sei kein Wort gegen die verschiedenen Biere gesagt, die mit Rohfrucht (Weizen, Roggen, Hirse, Mais, Reis usw.) angereichert werden. Oder mit Fruchtaromen wie Banane, Kirsche oder Mango. Oder mit Gewürzen. Das sind meistens ganz tolle Biergetränke. Aber kein «richtiges» Bier.

Wie bitte ?!? Wie ist diese Aussage von Hr. 1516 zustande gekommen ? Sie soll zwar viele Brauereien in der Schweiz interessieren – es sind ja nicht wenig, die Weizen, Mais, Früchte oder Gewürze, unter anderen, benutzen und sie könnten damit etliche Biersteuern ersparen, falls ihre Biere eben keine Biere sind ! – sie stimmt aber wohl nicht. Die Verordnung des EDI (Eidgenössische Departement des Innern) über alkoholische Getränke – hier anzusehen – definiert unter „Kapitel 6: Bier“ :

Art. 41 Definitionen

1 Bier ist ein alkoholisches und kohlensäurehaltiges Getränk, das aus mit Hefe vergorener Würze gewonnen wird, der Doldenhopfen oder Hopfenprodukte zugegeben werden.

2 Die Würze ist aus stärke- oder zuckerhaltigen Rohstoffen und aus Trinkwasser hergestellt.

3 Hopfenprodukte sind Hopfenpulver, angereichertes Hopfenpulver, Hopfenextrakt, Hopfenextraktpulver und isomerisierter Hopfenextrakt.“

Ähm … Wo steht doch dieser beweiskräftige Satz, der nicht mehr Bestandteile erlauben soll ? Moment, hier kommen noch die Anforderungen:

Art. 42 Anforderungen

1 Bier muss in der Regel klar sein. Bestimmte Biertypen (z. B. unfiltriertes Bier, Hefeweizenbier) dürfen Trübungen oder Ablagerungen aufweisen, die infolge eines speziellen Herstellungsverfahrens entstanden sind.

2 Die Würze wird aus Gersten- oder Weizenmalz hergestellt. Für sie können überdies folgende stärke- oder zuckerhaltigen Rohstoffe verwendet werden:

a Cerealien wie Mais, Reis;

b.Zucker, Invertzucker, Dextrose, Glucosesirup bis höchstens 10 Massenprozent;

c Stärke bis höchstens 20 Massenprozent.

3 Für die Zubereitung der Würze dürfen Röstmalz und Röstmalzextrakte verwendet werden.

4 Der pH-Wert des Bieres darf bei der Abgabe an Konsumentinnen und Konsumenten 5,0 nicht übersteigen.

5 Der Gehalt an Kohlendioxid muss mindestens 0,3 Massenprozent betragen.

6 Bier muss aus einer Stammwürze von mindestens 10 Massenprozent hervorgegangen sein; vorbehalten bleibt Artikel 43 Absätze 3 und 4.“

mikkellerbar

Biervielfalt. Mit “richtigem Bier” ?

Caramba ! Nichts über einen zusätzlichen Bestandteil, der das Bier in „Getränk mit Bier“ verändern soll. Viel schlimmer: es werden sogar Mais, Reis, Zucker, usw. explizit erwähnt !

Es tut mir sehr leid für Sie, Hr. 1516, aber in der Schweiz gelten Biere mit Früchten, Gewürzen, Weizen, Zucker und vieles mehr noch als „richtige Biere“. Mich stört es eigentlich nicht, dass Sie dies nicht wahrnehmen können oder wollen. Mich stört es aber sehr, dass Ihre falsche Behauptungen in einer Bierzeitung publiziert wird. Und dass in der Zeitung einer Gesellschaft – die notabene als Ziel „die Förderung der Biervielfalt zu unterstützen“ hat – eine wiederholte, aktive und lügnerische Abwertung von vielen Biersorten getan/erlaubt wird, finde ich nicht nur pikant und peinlich, sondern vor allem inakzeptabel.

cheers !

Reinheitsgebot

Posted: May 17, 2014 in Swiss beer scene
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reinheitsgebot_schild_neuLa traduction française se trouve plus bas.

For english, please scroll to the end.

Heutzutage wird in der Schweiz leider immer zu häufig der Reinheitsgebot-Mythos zelebriert und referenziert. Es ist nicht selten, dass neue Mikrobrauereien (und nicht nur in der Deutschschweiz !) das Reinheitsgebot als Garantie ihrer Bier-Qualität ganz stolz hervorbringen. Ebenfalls war kürzlich in der Bier-Zeitung der GFB (Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt) zu lesen: “In der Schweiz gilt das Reinheitsgebot ebenfalls“. Ein eher pikantes Paradox …

Deshalb ist es wieder mal Zeit, die Tatsachen klarzustellen und der folgende Artikel (zwar alt aber weiterhin völlig relevant) von Ronald Pattinson – Bier Schriftsteller und Historiker – ist dafür bestens geeignet.

<Anfang des Artikel von Ron Pattinson>

“Das Reinheitsgebot – und weshalb es Mist ist”

Das Reinheitsgebot, das älteste Verbraucherschutzgesetz und eine Garantie der Bierqualität. Ein Beispiel für die Welt, wie Bier gebraut werden sollte, so wie es die Deutschen für Jahrhunderte getan haben. Gut-naja, nicht wirklich. Diese sind einige der Mythen, die ich hier besprechen möchte. Jeder denkt, daß er weiß, was das Reinheitsgebot ist und denkt, daß es echt super ist. Dies ist ein Versuch, einen objektiven Blick auf etwas zu richten, was ein sehr emotionales Thema sein kann.

Jetzt könnten einige Leute ein wenig entsetzt sein, und sich vielleicht sogar durch den Titel dieser Seite beleidigt fühlen , deshalb zuerst einige Worte der Erklärung : Deutsches Bier im allgemeinen wird zu einem sehr hohen Standard gebraut, den der Rest der Welt mit Recht beneidet. Leider scheinen viele Leute über die Gründe für die hohe Qualität des deutschen Bieres verwirrt zu sein. Insoweit ich es sehe, ist das Reinheitsgebot total irrelevant; Deutsches Bier ist gut, weil deutsche Brauer große Fachkenntnis haben und ihr Bier mit Stolz und Sorgfalt brauen.

Daß dies auch ohne die Beschränkung von Malz, Wasser, Hopfen und Hefe zu verwenden , möglich ist, kann durch viele, selbst auch deutsche Biere, nachgewiesen werden. Die Verachtung des Bieres aus der DDR- meistens wegen des angenommen minderwertigen Brauenstandards – finde ich total unrechtmäßig, und meistens auf reines Vorurteil gegründet. Ich kann mich erinnern, als in der DDR zum ersten Mal westdeutsches Bier auf den Markt kam. Was mich überraschte war, wieviel schlechterdie importierten Biere gegenüber den angeblich minderwertigeren Gegenstücke aus der DDR waren. Ich konnte nicht begreifen, weshalb jedermann diese teueren, geschmacklosen Biere den eigenen örtlichen würzigen Bieren bevorzugte.Die Zeit hat gezeigt, daß dies nicht so geblieben ist. Sogar schon vor der Wiedereinführung des Reinheitsgebots im Osten waren die Leute zu ihren alten Lieblingen zurückgekehrt. Jedermann, der das seichte Abwaschwasser von Eschwege Pilsener mit dem wundervollen Mühlhäusener Pilsator verglich, müßte wissen, daß DDR-Bier einfach besser schmeckte.

Ich weiß, daß meine eine umstrittene Ansicht ist, weil viele Leute, einschließlich derer, die es wirklich besser wissen müßten, hypnotisiert sind durch das Argument der “Reinheit” des Bieres, und finden es schwer zu glauben, daß Bier mit anderen Bestandteilen nicht nur genau so rein sein kann, sondern auch genauso gut schmecken kann. Eine geldgierige kommerzielle Brauerei schafft es natürlich, ein minderwertiges Bier entweder mit oder ohne die Beschränkungen des Reinheitsgebot zu brauen. Das Problem ist, daß wenn man sich nur auf eine begrenzten Liste von Bestandteilen konzentriert, man im Kern einen Kompromiß über die Bierqualität der anderen Schlüsselbereiche erlaubt. Ich glaube, daß die Diskussion sich mehr um die Faktoren konzentrieren sollte, die wirklich zum Geschmack eines Bieres entscheidend sind: die Qualität der Bestandteile, die Lagerzeiten, diePasteurisierung, die Filtrierung und die Karbonisierung. Ich denke, daß es zu einfach für viele deutsche Brauereien (und da nicht nur die großen ) gewesen ist, über der Einführung zweifelhafter Techniken zu plaudern und zu behaupten, daß sienoch ‘ reines ‘ Bier brauen. Es tut mir leid, aber ich kann leider nicht glauben ,daß ein gefiltertes, pasteurisiertes Bier, das nur kurz gelagert wurde, für den unwissenden oder unkritischen Kunden ein “reines ‘ Bier ist, bloß weil nur Malz im Sud war. Ich bin nicht für den Einsatz großer Mengen an Zusätzen im der Maische, aber ich weiß, daß ich es wahrscheinlich nicht bemerken würde, ob ein Bier 5% von Nichtmalz-Bestandteilen enthält; wohl aber daß es nicht lang genug gelagert worden ist. Die einzigste Sache, die für mich wichtig ist, ist daß das Bier schmeckt. Solange es gut schmeckt und nichts schädliches enthält, dann sollte der Brauer verwenden, was er will. Man muß bloß mal nach Belgien schauen um zu sehen, wie weit die Grenzen von dem, was als Bier verstanden wird, erweitert werden können. Einfach zu beharren, daß ein Bier gut ist, weil es ‘ rein ‘ ist, macht es jedem deutschen Brauer einfach, die Produktionskosten zu drücken, und doch ein “hochwertiges Produkt” zu liefern.

Seien wir mal ehrlich, es wird eine Menge schlechtes Bier gebraut in Deutschland. Es gibt auch eine große Menge sehr gut produziertes Bier, aber darauf zu bestehen, daß jedes deutsche Bier gut ist, ist doch lächerlich. Nicht jedes britische Bier ist gut, nicht jedes belgische Bier ist gut, sogar nicht jedes tschechische Bier ist gut. Vom karameligem, süßlich-verkochtem Geschmack eines massenproduziertem Altbiers über ein seifiges, süßes Helles bis zu einem eindimensionalen Pils, was wie Limonade mit Hopfenzusatz schmeckt, es gibt eine Menge von langweiligen bis sogar unangenehmen Bieren. Andererseits gibt es die in der Hausbrauerei gebrauten Altbiere von Düsseldorf als eines der feinsten Beispiele der obergärigen Biere in der Welt. Ein fränkisches ungefiltertes Kellerbier ist eine Offenbarung für jeden, der glaubt, daß untergärige Biere nie mit einem Ale für dessen Geschmack und Komplexität des Aromas konkurrieren könnten. Ein bayerischer Weizen, mit seinem Bouquet an Gewürzen – Koriander, Nelken und sogar Banane – kann durch dessen beschränkte Auswahl an Bestandteilen verwirren und dadurch die Aromen einer Gewürzmühle erzielen. Es gibt eine große Vielfalt und vieles, auf was die deutsche Brauwelt stolz sein kann.

Nach dieser Erklärung oder vielleicht auch Entschuldigung: hier sind meine Gründe, weshalb ich glaube, daß das Reinheitsgebot Unsinn ist:

  1. Niemand in der Welt braut nach dem Reinheitsgebot von 1516 . Jeder (mit Ausnahme der Lambic-Brauer, die sich aus anderen Gründen nicht dafür qualifizieren), benutzt neben Wasser, Malz (und ist spezifisch und ausschließlich Gersten- Malz) auch Hefe. Selbst, wenn Sie nicht es absichtlich hinzufügen, würde man es schwerlich ein Bier ohne Hefe brauen können.
  2. Es ist ein Brotschutz- anstatt ein Bierschutzgesetz . Die ursprüngliche Idee, die erlaubten Bestandteile des Bieres zu begrenzen, war es, die Menschen abzuhalten, Bier mit Getreide zu brauen, anstatt daraus Brot zu backen. Vor allem Roggen und Weizen. Die Gerste, die man nicht zum Backen verwenden konnte, aber wohl zum Bierbrauen, sollte für Bier genommen werden. Kein Weizenbier kann behaupten, nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut zu sein, weil es bis das 16. Jahrhundert nur dem Adel erlaubt wurde, mit Weizen Bier zu brauen (genau wie das Essen von Weißbrot), besonders in Bayern war der Gebrauch von Weizen in Bier verboten. Im ursprünglichem Gesetz war nur Gerstenmalz erlaubt..
  3. Die einzig erlaubten Bestandteile sind Malz, Wasser, Hopfen und Hefe, außer dem Zucker in obergärigen Bieren. Warum es erlaubt ist in obergärigen Bieren, und verboten in den untergärigen, ist mir ein Rätsel. Beachten Sie bitte, daß deutsche Brauer die Tatsache nicht bekanntmachen, daß manchmal auch Zucker in ihren Bieren erlaubt ist.
  4. An sich gibt es keine Garantie für gutes Bier. Beachten Sie, daß Heineken-Pils entsprechend nach ihm gebraut wird, und niemand wird allen Ernstes behaupten, daß es ein gutes oder annehmbare Nachahmung des Stiles von Bier ist, worauf es Anspruch erhebt. Oder probieren Sie das köstliche Binding-Bier. Mmh, Abwaschwasser mit einem Hauch von Margerine. Reizend.
  5. Es werden trozdem chemische Zusätze im deutschen Bier benutzt. Es ist immernoch erlaubt, das Wasser mit allen möglichen Chemikalien zu behandeln, die man mag, bevor es benutzt wird. Außerdem alle Schädlingsbekämpfungsmittel und chemischen Düngemittel beim Anbau der Gerste. Einige deutsche Brauer ärgerten sich an den Leuten, die organisches Bier brauen, weil sie es als Herausforderung ihres Anspruchs zur Reinheit sahen.
  6. Sie begrenzt die Artenvielfalt der möglichen Biere . Praktisch keines der klassischen belgischen Ales sind oder könnten gebraut werden, wenn man sich an die Richtlinien des Reinheitsgebots hielte. “Frambos” (Himbeerbier) und “Kriek” (Kirschbier) wegen des Gebrauchs von Früchten (welche wohl kein preiswerter Ersatz für Malz darstellen), “La Chouffe” und Weizenbiere wegen ihres Gebrauchs von Gewürzen, ohne die keine von diesen möglich wären. Wenn ich die Wahl hätte zwischen Heineken Pils und La Chouffe, wüßte ich, für welches ich mich entscheiden würde.

Angesichts der Anzahl von Brauereien wie sie Deutschland besitzt, gibt esverhältnismäßig wenig Bierarten. Bayern, mit seinen Hunderten Brauereien hat nur eine Handvoll unterschiedlicher Arten. Belgien andererseits mit seiner offenen Beziehung zu den Bestandteilen, hat fast ebenso viele Arten wie Brauereien. Sogar Österreich mit seinen bloß ungefähr 60 Brauereien handhabt mehr unterschiedlicher Arten des Bieres als ganz Deutschland zusammen.

7. Deutsche brauen seit 1516 nach dem Reinheitsgebot . Stimmt, die Bayern. Obwohl, nicht alle. Bayern war im Jahre 1516 ein Stück kleiner als jetzt und schloß noch nicht das Frankenland ein, in dem noch 50% aller Brauereien , die in Bayern aktiv sind, sich befinden. Das Reinheitsgebot wurde erst seit der Jahrhundertwende (von1900) auf ganz Deutschland ausgedehnt. Diese war eine Vorbedingung der Bayern für den Zusammenschluß mit Deutschland. Es wurde heftig von den norddeutschen Brauern als Versuch der Bayern kritisiert, um ihren Handel zu schützen . Es ist der Beginn zur vollständigen Auslöschung bestimmter Bierarten (es hat eine Tradition von gewürzten Bieren gegeben, die vermutlich zurückging auf die Zeit, bevor Hopfen allgemein verwendet wurde), wie es wieder in den neunziger Jahren geschah, als eine Version von Köstritzer Schwarzbier nicht mehr produziert werden konnte.

8. Es dient nicht wirklich zum Schutz für den Verbraucher . Es ist noch zweifellos möglich, ein unreines, furchtbares, hefe- oder bakterieninfiziertes Bier zu produzieren und es zu verkaufen. Ich habe Bier in Deutschland getrunken, was so hefeinfiziert war, daß es die Brauerei nie hätte verlassen sollen. Das Reinheitsgebot hat nichts darüber zu sagen. Wirkliche Verbrauerschutzgesetze würden darauf bestehen, daß es ein Bier auch trinkbar ist.

9. Das aktuelle Reinheitsgebot ist nicht dasselbe wie das von 1516 . Das ursprüngliche Gesetz sagt, daß Bier nur von Gerste, Hopfen und Wasser gebraut werden soll. Beachten Sie, daß damit nicht Gerstenmalz gemeint ist, sondern Gerste. Außerdem wird auch nicht irgendeine andere Form von Malz oder Korn erwähnt, wie z.B. Weizen. Guiness, das heute wegen des Gebrauches von gerösteter Gerste nicht unter das Reinheitsgebot fällt, würde unter den Richtlinien von 1516 wohl darunter zählen.

10. Deutsche Brauer halten sich selber nicht immer an’s Reinheitsgebot. Viele Brauereien benutzen verschiedene Zusätze für Versionen ihrer Biere, die ins Ausland verkauft werden. (obwohl dieses nicht den bayrischen Brauereien erlaubt ist).

11. Viele deutsche Weizenbiere können sich nicht ausschließlich an die Richtlinien des Reinheitsgebots halten. Weizenmalz wird nur als Bestandteil in obergärigen Bieren erlaubt, dennoch werden viele Hefeweizenbiere mit einer untergärigen Hefe abgefüllt. Da diese Hefe die Gärung in der Flasche fortsetzt, ist es die Frage, ob das Endresultat ein reines obergärigen Bier ist.

Einige fehlgeleitete Menschen haben, ohne an die Konsequenzen zu denken, die Einführung des Reinheitsgebotes auf die gesamte EG vorgeschlagen. Welche Katastrophe wäre dies für die Artenvielfalt und Auswahl für den Biertrinker ! Belgische Biere mit Früchten und gewürzte Biere, das finnische “sahti”, sogar das traditionelle ” Guinness”, wären nicht länger erhältlich. Was man wirklich bräuchte wäre ein Gesetz, was die Brauer zwingt, die Inhaltsstoffe auf dem Etikett zu vermelden , wie es schon in den skandinavischen Ländern der Fall ist. Dann würden die Konsumenten sehen, was sie kriegen und können so eine kluge Auswahl treffen. Ich selber will meine Auswahl an Bieren nicht von einem mittelalterlichen Gesetz beeinträchtigt sehen, was bayrische Bauern dvon abhalten sollte, ihr Getreide zu verbrauen, anstatt es in Mehl zu mahlen.

<Ende des Artikels von Ron Pattinson>

FRANCAIS

Par trop souvent encore malheureusement, le mythe de la Reinheitsgebot allemande (en français “décret sur la pureté de la bière”) est célébrée et mise en valeur en Suisse. Il n’est pas rare de voir que de nouvelles microbrasseries (et pas seulement en Suisse alémanique !) arbore fièrement le fait que leurs bières soient produites suivant cette loi, tel un gage de qualité. De plus, récemment, on a pu lire dans un article parut dans la revue “Bier-Zeitung” de l’association “Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt”  (société pour la promotion de la diversité de la bière): “la Reinheitsgebot est valable également en Suisse”. Un paradoxe assez piquant …

Pour cette raison, il est temps de remettre une fois de plus l’église au milieu du village et l’article (certes pas récent mais toujours parfaitement valable) de Ronald Pattinson – écrivain et historien de la bière – s’y prête merveilleusement bien.

<début de l’article de Ron Pattinson – traduction par Laurent Mousson>

Reinheitsgebot – Pourquoi ce n’est qu’un tas de vieilles conneries.

Ron Pattinson

Le Reinheitsgebot, ou loi de pureté, la plus vieille loi de protection du consommateur, et une garantie de qualité de la bière. Un exemple pour le monde entier de comment la bière devrait être brassée, comme les Allemands le font depuis des siècles. Ben non, pas vraiment. Ce ne sont que quelques-uns de mythes que j’aimerais relever. Tout le monde croit savoir ce qu’est le Reinheitsgebot, et pour l’essentiel, pense que c’est bien. Ceci est une tentative de voir de façon objective un sujet qui peut être assez sensible.

Certains auront sans doute été choqués, voire scandalisés par le titre de cette page, donc voici quelques explications préliminaires. La bière allemande en général est brassée selon des normes très élevées, que le monde entier lui envie à juste titre. Malheureusement, beaucoup de gens ne savent pas vraiment pourquoi. Autant que je puisse dire, le Reinheitsgebot n’a aucun rapport ; la bière allemande est bonne parce que les brasseurs allemands sont compétents et font leur bière avec soin et fierté.

Le fait qu’il soit aussi possible de le faire sans les limitations liées à l’emploi exclusif de malt, d’eau, de houblon et de levure a été prouvé par bien des brasseurs, certains en Allemagne même.

J’a toujours trouvé le mépris à l’encontre des bières d’Allemagne de l’Est – à cause des normes de production inférieures- tout à fait injuste, et basé avant tout sur de purs préjugés. Je me souviens bien avoir été en Allemagne de l’Est quand les bières d’Allemagne de l’Ouest sont arrivées sur le marché. Ce qui m’a alors surpris, c’est à quel point ces bières importées étaient plus mauvaises que leurs homologues, supposés inférieurs, de l’Est. Je ne comprenais pas comment qui que ce soit puisse préférer ces bières chères et insipides aux productions locales goûtues. Le temps a montré que ce n’était pas le cas. Avant même la réintroduction du Reinheitsgebot à l’Est, les gens étaient retournés à leurs anciennes amours. Quiconque comparait l’acratopège eau de vaisselle appelée Eschwege Pils avec la formidable Mühlhausener Pilsator savait pourquoi : les bières de la RDA avaient simplement meilleur goût.

Je me rends compte que c’est un point de vue provocateur, parce que beaucoup, y compris bien des gens qui devraient être critiques, ont hypnotisés par l’argument de la bière “pure” et n’arrivent pas à croire qu’une bière faite avec d’autres ingrédients peut très bien être au moins aussi pure, mais aussi avoir aussi bon goût. Une brasserie commerciale de mârde parviendra très bien à brasser de la pisse insipide, avec ou sans la contrainte du Reinheitsgebot. Le problème est que cette concentration sur une liste limitée d’ingrédient comme le point central de la qualité de la bière permet des compromis dans d’autres domaines cruciaux. Pour moi la discussion devrait plus se concentrer sur les facteurs vraiment cruciaux pour le goût de la bière: qualité des ingrédients, durée de la garde, pasteurisation, filtrage, et gazéification.. Je pense qu’il n’a été que trop facile pour bien des brasseries allemandes, et pas rien que les grosses, de cacher l’introduction de techniques douteuses en insistant qu’il brassaient toujours de la bière “pure”. Désolé, mais j’ai bien peur de trouver dur à accepter qu’une bière filtrée, pasteurisée, passée en vitesse par la cave avant d’être expédiée à des clients inconscients ou insouciants, soit une bière “pure”, simplement parce qu’elle ne contient que du malt dans la maîche. Je ne prône pas l’usage de grandes quantités d’additifs (sucre, céréales crues) dans la cuve-matière, mais je sais que, si je ne peux pas détecter si une bière contient 5% d’autre chose que du malt dans la mouture, mais je peux certainement dire si la garde d’une bière n’a pas été assez longue.. Pour moi, c’est la seule chose qui compte : comment est le goût. Du moment que c’est bon et qu’il n’y a pas d’ingrédients dangereux, les brasseurs devraient pouvoir utiliser les ingrédients qu’ils veulent. Il suffit de se tourner vers la Belgique pour voir jusqu’où les limites de la bière peuvent être repoussées. Insister simplement que toutes leurs bières sont bonnes parce qu’elles sont “pures” a été très pratique pour tout brasseur allemand désirant rogner les coûts, tout en maintenant qu’ils fournissent un produit d’excellente qualité.

Soyons honnêtes :il y a des tas de bières infectes brassées en Allemagne. Il y a aussi une grande quantité de bonne bière qui y est produite, mais prétendre que toute bière allemande est bonne est évidemment ridicule. Toutes les bières anglaises ne sont pas bonnes, toutes les bières belges ne sont pas bonnes, et pas même toutes les bières tchèques ne sont pas bonnes. De l’arôme caramélisé de sucre d’orge d’une alt de masse à une pils plate telle une limonade à l’extrait de houblon, en passant par une helles savonneuse et douceâtre, il y a plein de bières médiocres ou franchement déplaisantes. De l’autre côté, les altbiers des brewpubs de Düsseldorf sont parmi les plus beaux exemples de fermentations hautes du monde. Une kellerbier franconienne, non filtrée, est une révélation pour quiconque croyait que les fermentations basses ne peuvent pas rivaliser avec les hautes en matière de subtilité et de complexité d’arôme. Une weizen bavaroise, avec son bouquet d’épices – coriandre, girofle, banane, même – peut dépasser les limitations de ses ingrédients et parvenir à des arômes droit sortis du moulin à épices. Il y a une grande variété et beaucoup de quoi être fier dans le monde brassicole allemand.

Cette explication – excuse faite, voici mes raisons pour lesquelles le Reinheitsgebot n’est qu’un tas de vieilles conneries :

1. Plus personne dans le monde ne brasse selon le Reinheitsgebot de 1516. Tout le monde (sauf les brasseurs de lambic, disqualifiés pour d’autres raisons) utilise de la levure en plus de l’eau, du malt (et c’est exclusivement du malt d’orge). Même en ne l’ajoutant pas délibérément vous trouverez assez difficile de brasser de la bière sans levure.

2. C’est une loi de protection du pain plutôt qu’une loi de protection de la bière. L’idée d’origine en limitant les ingrédient admis pour la bière était d’empêcher les gens d’utiliser les céréales panifiables pour faire de la bière. Spécifiquement, le seigle et le blé. L’orge, difficilement panifiable, mais parfaite pour brasser devait être réservée à la bière. Aucune bière de froment ne peut être brassée selon le Reinheitsgebot de 1516, parce que, , jusqu’au 16e siècle, quand l’aristocratie reçut le privilège de brasser avec du blé (l’équivalent de manger du pain blanc), l’usage de blé était spécifiquement interdit en Bavière. Dans la loi d’origine, seul le malt d’orge est autorisé.

3. Les seuls ingrédients autorisés sont le malt, l’eau, le houblon et la levure… et les sucres pour les fermentation hautes.. Pourquoi c’est autorisée en fermentation haute et interdit en basse reste une énigme pour moi. Vous noterez que les brasseurs allemands ne se vantent pas que les sucres soient parfois autorisés dans leurs bières.

4. Ce n’est en soit pas la garantie d’une bonne bière. Regardons les choses en face, l’Heineken Pils [version allemande NdT.] est brassée selon cette loi, et personne ne pourrait sérieusement l’accuser d’être une bonne, ou même acceptable, imitation du style qu’elle prétend être. Ou essayer cette délicieuse Binding, mmmmh, de l’eau de vaisselle avec une giclée de margarine, adorable.

5. Des additifs chimiques sont toujours utilisés dans la bière allemande. Il est parfaitement possible de traiter l’eau avec tous les additifs chimiques que vous voulez avant de l’utiliser. Plus tous les pesticides et engrais chimiques que vous voulez dans l’orge. Certains brasseurs allemands se sont offusqués de l’idée de brasser des bières biologiques, parce qu’ils les voyaient comme une menace pour leurs propres prétentions de pureté.

6. Il limite les styles de bières possibles. Pratiquement aucune des fermentations hauts belges n’est ou ne peut être brassée si vous suivez les règles du Reinheitsgebot. La Framboise ou la Kriek à cause des fruits (pas vraiment un substitut bon marché au malt), La Chouffe et les blanches à cause des épices, aucune d’entre elles ne serait possible. Si on me donne le choix entre la Chouffe et l’Heineken Pils, je sais laquelle je choisis.
Considérant le nombre de brasseries qu’elle possède, l’Allemagne est le berceau de relativement peu de styles de bière.. La Bavière, avec ses centaines de brasseries, n’a qu’une poignée de styles différents. Au contraire, la Belgique, avec son approche ouverte des ingrédients, a pratiquement autant de styles que de brasseries. Même l’Autriche, avec sa soixantaine de brasseries, arrive à faire plus de styles de bières que toute l’Allemagne.

7. Les Allemands suivent le Reinheitsgebot depuis 1516, enfin les bavarois, et encore, pas tous ! En 1516, la Bavière était bien plus petite que ce qu’elle est actuellement, et n’incluait pas la région cette quantité négligeable de la brasserie qu’est la Franconie, où presque la moitié des brasseries bavaroises actuelles se trouve. Le Reinheitsgebot n’a été étendu à toute l’Allemagne qu’autour de 1900, la Bavière l’ayant réclamé pour accepter vraiment sin intégration à l’Empire. L’opposition des brasseurs du Nord de l’Allemagne fut vigoureuse, car ils le voyaient comme une mesure protectionniste. Son extension à tout le pays vit la disparition de certains styles de bière (il y avait une tradition de bières épicées, remontant probablement à avant l’introduction du houblon), ce qu’on vit à nouveau dans les années 90, quand une version de la Köstritzer Schwarzbier n’a plus pu être produite.

8. Ce n’est pas une protection pour le consommateur. Il est toujours possible de brasser une bière terriblement impure, avec une infection bactérienne ou de la levure, et de la vendre. J’ai bu en Allemagne des bières si durement infectées qu’elles n’auraient jamais dû quitter la brasserie. Le Reinheitsgebot ne dit rien à ce sujet. Une vraie législation de protection du consommateur insisterait que le bière soit buvable.

9. Le Reinheitsgebot actuel n’est pas le même que celui de 1516. La loi d’origine dit que la bière ne doit être faite que d’orge, de houblon et d’eau. Notez que ce n’est pas du malt d’orge, mais bien de l’orge qui est spécifié. Bien sûr, aucune mention d’une autre céréale, comme le blé. La Guinness n’est pas conforme au Reinheitsgebot à cause de l’usage d’orge rôti, mais aurait passé la rampe en 1516.

10. Les brasseurs allemands ne suivent pas toujours le Reinheitsgebot. Bien des brasseries utilisent des additifs pour leurs bières vendues à l’étranger. (Bien que celles situées en Bavière n’en aient pas le droit)

11. Beaucoup de blanches allemandes (Weizenbiere), ne sont pas strictement conformes. Le malt de blé est uniquement permis pour les bières de fermentation haute, mais la plupart des Hefeweizen sont embouteillées avec une levure basse. Comme cette levure va poursuivre la fermentation dans la bouteille, on peut se demander si le produit fini est une pure fermentation haute.

Certaines personnes fourvoyées, sans vraiment penser aux conséquences, avaient proposé l’introduction du Reinheitsgebot dans toute l’Union Européenne. Quel désastre ç’aurait été pour la diversité et le choix offert au buveur de bière. Les Bières belges épicées ou au fruits, le sahti finlandais, même la Guinness ne seraient plus possibles. Ce qui manque vraiment, c’est une législation forçant les brasseurs à indiquer la composition sur l’emballage (comme c’est déjà le cas en Scandinavie. A ce moment-là, les consommateurs sauront ce qu’ils boivent et pourraient choisir. Personnellement, je ne veut pas que le choix de bières qui m’est offert soit limité par une législation médiévale pour empêcher les paysans de brasser avec des céréales panifiables.

<fin de l’article de Ron Pattinson>

ENGLISH

Too frequently, the myth of the German Reinheitsgebot is still referenced and celebrated in Switzerland. It is not uncommon to see new microbreweries indicating proudly that their beers are produced according to this law guaranteeing by this fact the high quality of their products. Recently in an article published  by the “Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt” (association for the promotion of the diversity of beer) it was written that “the Reinheitsgebot also applies in Switzerland”. A quite funny paradox …

For these reasons I think it is time – again – to put the facts straight and for this, the article of Ronald Pattinson – bier writer and historian – is perfectly adequate:

The German Reinheitsgebot – why it’s a load of old bollocks

cheers !

 

For the first time in my 26 years of beer hunting I have been able to sample more than 1’000 (1007 exactly) new beers in one year. Those of you who think this is a pretty incredible accomplishment should know that the top 2 raters on ratebeer.com scored more than 4’500 new beers in 2013. One really has to think twice about it, as it represents more than 12 new beers in average per day ! Mind-boggling … And don’t think I am on top in Switzerland either: notorious beer ticker Thomas Schneider has tracked down more than 2’000 beers last year.

Every year I am saying to myself that I will not be able to keep that pace, yet manage somehow to taste more every time. So I won’t say anything this time …Just live and let drink !

source_2013

Origins of the beers tasted in 2013

First comment: yes, I’m a good sponsor of Erzbierschof …If I have given this already legendary establishment an own category, it is not only because it could fit in more than one (bar, beer shop and online beer shop) but mainly to show its importance. The second most important category are trades with 18%. Back in 2009 trades were accounting for as much as 32% (see also http://www.bov.ch/beer/faq.html for more comparison) but I am keeping it down now to about 5 different sources, the kings from this category being the Swedish beer rater Per Forsgren and the Swiss beertickers Philipp Sigg and Thomas Schneider.

Close behind trades the next source are festivals. Here again, a huge difference in comparison with 2009, this time in the other direction. I am always saying I am not a big fan of festivals because of the pretty hard conditions for tasting beers there but it doesn’t mean I try to avoid them. And 2013 was – for me – decently rich in that matter with the Mondial de la Bière (Mulhouse; 69 beers), the Copenhagen Beer Festival (44), the Solothurner Biertage (39) and the Unterländer Biertage (22).

11% of the beers I had last year were received from friends. So I really want to thank all of them here again, especially the undisputed king (or should I say bishop ?) of this category: Toni Flükiger. Particularly pleasant to notice is the constantly increasing number of beers I receive from brewers. Here also, many thanks to all of them, notably Patrik Feller and Tom Strickler.

The number of countries was almost the same as last year – 34 – with 2 new ones among them: Cayman Islands and San Marino. The most represented country has been – of course – Switzerland with 348 beers followed by the USA (150), Belgium (102), Denmark (69) and Sweden (44). Two countries are sharing first place of the favorites: Spain and New Zealand, no surprise if you consider both of them being regularly mentioned as fast emerging beer countries. From place 3 to 5 you can find Norway, the Netherlands (winner in 2012 and 2011) and the USA. Switzerland appears (only) in 15th position.

Interesting is to take a look at the alcohol average. While it is 6.5% in average, the Netherlands stay at one end of the scale with 9.2% followed by Norway and Scotland (both 8.5%) while on the other end the Czech Republic (4.7%) and Finland (5%) can be met. Switzerland remains pretty low with 5.8%. Here are the whole data:

Average alcohol content per country

Average alcohol content per country

 The most represented breweries last year – for a total of 413 different ones – have been De Proef with 71 beers (thanks to the Danish gypsy brewers !), De Molen (26) and Storm&Anchor (23). The first two are the same as in 2012. Other noteworthy presences of Swiss breweries include Strättligen Bier (13), Birrificio Ticinese (10) and UHB (9).

My favorite brewery of 2013 with a minimum of 3 beers tasted is Fanø (already 2nd the year before). Then follow Storm&Anchor (3rd in 2012), Cantillon and Clown Shoes tied for 3rd and Bevog, Anchorage and Elav tied for 5th.

lFanoLogoFor the third consecutive year the most represented style has been IPA and this by far (112 beers) ! Then come “Spice/Herb/Vegetable” (52), Imperial Stout (46), American Pale Ale (39) and Fruit Beer (35). The days of the overwhelming presence of blond lagers are over ! Even when counting Pale Lager, Premium Lager, Pilsner and Dortmunder/Helles altogether, it makes 82 so clearly behind the 112 IPAs where neither Black IPA (15) nor Double IPA (29) are included.

This brings me to the next point: my favorite styles of 2013. Despite liking subtle and delicate beers (trust me, I’m not joking !) I like it rough – like Lady Gaga – most of the time. So it comes as no surprise to see Imperial Stout as a clear number 1. The followers are Double IPA, American Strong Ale, Fruit Lambic and Baltic Porter. At the bottom of this list you will find Malt Liquor (worst), Pale Lager, Zwickelbier, English Pale Ale and Dunkelweizen. I continue to be surprised – like last year – to see English Pale Ale so badly rated by myself.

I will now take a closer look at Switzerland.

BlackwellBreweryI have discovered beers from 30 new breweries last year (there were 20 in 2012) and the title of best new brewery of 2013 goes to the highly creative Blackwell (Burgdorf). Second is the excellent Brasserie des 5 Quatre Mille (Zinal) and third the classical yet very good Burg-Bier (Ringgenberg). Here some other very good breweries worth to mention: Wagerswiler Bräu (Wagerswil), Bodensee (Egnach), Sennbräu (Buchs, SG), Doppelleu (Winterthur), Montheysanne (Monthey) and Mein Teil (Bolligen). As I not always can be kind, I would like to point out some breweries which are clearly under the waterline: Burggütli-Bräu (Schaffhausen), Meiga-Bräu (Wangen) and Trio (Les Monts-de-Pully).

But the qualities of the best newcomers have not been enough to reach the top five of the best Swiss breweries of 2013. The fifth place goes to Officina della Birra (which was 2nd in 2012), fourth is the always improving and now highly qualitative Stozi-Bräu, third is the Brasserie des Cieux (Alas! If only Dominique would brew more often !) and second place is taken by the legendary BFM. And finally, after all the positive things I have written about them last year, it would be highly surprising not to see them on top … All my congratulations go to the amazing Storm&Anchor, my best Swiss brewery of 2013. I am waiting impatiently to discover all the new wizardries of Tom in 2014 !

storm_anchor_2013Again: no surprises to see the same protagonists while talking about the best Swiss beers of 2013. Storm&Anchor Burned wins (and is also overall best beer of 2013 !) ahead of BFM Abbaye de Saint Bon-Chien 2012 and Storm&Anchor Black (both ranked 5th overall).

Finally, here are the other international beers which made it to my top ten of 2013:

Fanø Evil Twin Even More Jesus (2nd), Renaissance 8 Wired iStout and Westbrook Mexican Cake Imperial Stout (tied for 3rd place) and Amager the Sinner Series Pride, Mont Salève la Tzarine, Croce di Malto Piedi NeriLervig Mikkeller George ! Barrel Aged Calvados Edition and Jester King Funk Metal (all tied for 5th). Doesn’t this look good ?

Is everything said ? I hope so.

Cheers everyone and have a good 2014 beer year !

So, das Pressecommuniqué des SBV (Schweizer Brauerei-Verband) mit den Zahlen vom Braujahr 2012/13 (1. Oktober 2012 bis 30. September 2013) wurde gerade veröffentlicht. Was ist hier zu sehen ? Eigentlich nichts Neues, da die Tendenzen von den letzten Jahren sich bestätigen.

Während den Bierimporten noch mehr als üblich zugenommen haben (+ 99’132 Hektoliter), hat sich der Inlandausstoss weiterhin reduziert und das nicht wenig nämlich um 143’019 hl. Der Gesamtbiermarkt hat also um 0.9% abgenommen. Hier eine Grafik, die die Entwicklung der Bierimporte und des Inlandausstosses darstellt:

import_inlandausstoss

In Anbetracht dessen, dass:

  • jährlich circa 30 Brauereien mehr gibt,
  • praktisch alle regionale und überregionale Brauereien ihre Produktion erhöht haben (Egger und Rugenbräu ausgenommen),
  • und die Bevölkerung immer mehr Interesse an gute Biere zeigt (was der Erfolg von sämtlichen Mikro-, Nanobrauereien und spezialisierten Bierbaren bestätigt)

können die grossen Verlierer eindeutig identifiziert werden, nämlich das Duopol Carlsberg und Heineken.

Die nächste Grafik zeigt die neue Aufteilung des Biermarktes:

swiss_markt_2013

Es ist zu bemerken, dass alle Zahlen belegbar sind, ausser die von Carlsberg und Heineken, die seit langen Zeiten ihre nicht mehr veröffentlichen. Die Summe aber des Marktanteils von diesen 2 Konsortien ist aber eindeutig und liegt bei 52.6% (Vorjahr 55.2%). Nur die Aufteilung zwischen diesen beiden musste ich – basierend auf Zahlen von Vorjahren – schätzen.

Der SBV – wo notabene nur 4 von ihren 16 Mitgliedern eine Abnahme ihrer Produktion hinnehmen müssten – hat natürlich wie immer schöne Erklärungen für diese unangenehme Situation, die einige Zeitungen als “Krise im Schweizer Biermarkt” betiteln haben. Was sind diese ?

Zuerst das schlechte Wetter.

Während ich bereit bin, diese Erklärung für die 0.9% Abnahme des Gesamtbiermarkts gelten zu lassen, wäre ich aber froh, wenn Herr Marcel Kreber – Direktor des SBV – mir erklären würde, wieso das schlechte Wetter keinen negativen Einfluss auf Importbiere hatte. Ganz im Gegenteil sogar ! “Hmm, heute ist es nicht sehr warm, ich werde also ein Sagres anstatt mein Feldschlösschen trinken“. Bitte … Dies ist also keine Erklärung für die Abnahme des Inlandausstosses.

Dann die Euroschwäche.

Ja, klar. Wobei mit einem Euro auf  1.70 wäre die Situation nicht besser. Die Tatsache bleibt: wenn man Massenbiere in der Schweiz produziert, kann man auf keinen Fall die importierten Billigbiere konkurrieren. Achtung: ich bin nach wie vor  überzeugt, dass Biermarken wie Eichhof oder Feldschlösschen besser als Karskrone, Kronenbourg oder Sagres sind. Aber der Preisunterschied, der sich manchmal um einen Faktor 3 oder 4 handelt, kann sich nicht rechtfertigen und dies vor allem nicht gegenüber das Zielpublikum, nämlich die absolute Mehrheit von ahnungslosen und uninteressierten Biertrinkern.

Und sonst ? Ahh, klar: die ominöse Stammtischkultur, die nicht mehr wie früher gepflegt wird, sowie die Rauchverbote.

Die zunehmende Tendenz, daheim zu trinken, ist nichts Neues. Dass dies die 2 Giganten frustriert, verstehe ich schon. Es genügt also nicht, eine halblegale Kontrolle über die Restaurante zu haben …

Die Inlandbrauereien geben sich aber kämpferisch” liest man im Pressecommuniqué. Und wie ? “Mit einer wachsenden Biervielfalt, grosser Innovationskraft und hohen Qualitätsansprüchen“. Ernsthaft ? Was ist bei Heineken/Carlsberg eine wachsende Biervielfalt ? Die etwa 40 geklonten Marken von Lagerbieren, die völlig austauschbar sind und sich durch den Braumeister nicht erkennen lassen ? Dann, wo ist die grosse Innovationskraft ? Das neue Cardinal Eve Spiced Mandarine und das Feldschlösschen Stark ? Und die Qualitätsansprüche ? Ist damit vielleicht das high gravity brewing Verfahren gemeint ? Naja … Und schlussendlich wird uns verzählt, dass der Ausbildungskurs zum Schweizer Bier-Sommelier eine Massnahme gegen Stagnation ist. Obwohl dieser Kurs ganz brav durch den SBV kontrolliert ist, muss man schon naïv sein, um zu denken, dass die Bier-Sommeliers Produkte aus den grossen Schweizer Brauereien hervorheben werden. Es sei denn natürlich, diese Bier-Sommeliers für den SBV arbeiten ;-)

Vor etwa 6 Jahren habe ich mal prognostiziert, dass sich Carlsberg (oder Heineken) aus der Schweiz zurückziehen wird. Ich glaube an meine Prognose heute umso mehr, denn beide Firmen einerseits mit den Preisen von den Importbieren nie mitmachen werden können und andererseits unfähig sind (im Gegenteil zu Schützengarten oder Felsenau zum Beispiel) Innovationen auf dem Markt zu bringen. Und, angenommen dass es plötzlich ein Feldschlösschen Double IPA geben würde, wer würde das trinken ? Nicht der Stammtisch Trinker, das interessiert ihn nicht. Und auch nicht der neugierige Biertrinker, da bei ihm das Image von Feldberg und Heineksschen bis in alle Ewigkeit zu negativ ist.

cheers !

Wer hier nicht irrtümlich auf meinem Blog gelandet ist und sich um die Bierszene in der Schweiz ein bisschen interessiert, weiss schon lange, dass die Zahl der gemeldeten Brauereien in den letzten Jahren markant gestiegen ist. Während in 1994 mit nur noch 30 aktiven Brauereien einen Tiefpunkt erreicht wurde, steht diese Zahl heute auf 387 ! Und kaum werdet ihr diese Zeilen lesen, dass es wieder mehr sein wird …

Hier ist eine Grafik, die die Entwicklung der Anzahl aktiven Brauereien in der Schweiz zeigt:

Entwicklung der Anzahl der Brauereien in der Schweiz seit 1850

Entwicklung der Anzahl der Brauereien in der Schweiz seit 1850

Wenn dies so weitergeht,  wird die Rekordzahl von 1885 – nämlich 530 – in 2018 geschlagen. Die Frage ist natürlich, ob dieses wahnsinnige Expansionstempo noch lange dauern wird oder ob wir bald eine Konsolidierungsphase erleben werden. Um auf diese schwierige Frage eine Antwort geben zu können – oder wenigstens probieren – muss man zuerst die letzten 20 Jahren genauer analysieren.

Die nächste Grafik zeigt die Anzahl von Neueröffnungen, Abbauen sowie den Bilanz pro Jahr: bilanzWas kann man aus dieser Grafik ableiten ?

Zuerst dass die Anzahl von Neueröffnungen seit 2005 massiv gestiegen ist und aktuell auf seinem höchsten Niveau steht. Dann aber dass seit 2008 die Anzahl von Schliessungen ebenfalls stark zugenommen hat und seitdem den Zuwachs der Aufbauen kompensiert. Der jährliche Nettobilanz bleibt also seit etwa 4 Jahren konstant auf circa +30 Brauereien.

In Anbetracht dieses letzten Punktes sowie der Tatsache, dass die Schweiz weltweit die grösste Dichte von Brauereien pro Einwohner hat (siehe auch meinen Artikel “Number of breweries worldwide“), tendiere ich zu denken, dass die Wachstumsphase bald Vergangenheit sein wird (vermutlich sogar vor 2020) und dass die Recordzahl vom Jahr 1885 nicht geschlagen wird.

Liste der registrierten Brauereien

Erstmals wurden die Inlandbrauereien in 1935 im Rahmen der Einführung der allgemeinen Getränkesteuer registriert. Ab 1956 wurde eine Nummerierung eingeführt. Diese wurde alphabetisch nach Kanton – also zuerst Aargau, dann Appenzell, usw… – zugeteilt. Diese Brauereiliste blieb leider sehr lange aus Datenschutzgründen nicht öffentlich. Seit 2001 probiere ich auf meiner Homepage sämtliche Schweizer Brauereien aufzulisten. Diese Aufgabe wurde plötzlich nach dem Inkrafttreten des neuen Biersteuergesetzes viel leichter, da seit September 2007 das Verzeichnis der steuerpflichtigen Inlandbrauereien auf der Seite der Eidgenössische Zollverwaltung publiziert ist.

Während den letzten Monaten habe ich mich bemüht, diese Liste zu vervollständigen und vor allem die fehlenden Nummern der heute geschlossenen Brauereien herauszufinden. Bis auf 13 wurde ich fündig, so dass ich jetzt die folgende “geheime” Seite mit gutem Gewissen offenbaren kann: “Swiss breweries sorted by registry number“.

Prost !

11_biertage_logoZum 11. Mal fanden zwischen dem 25. und dem 27. April die traditionellen Solothurner Biertage statt. Dieser Anlass bleibt weiterhin und trotz hochwillkommenen „Konkurrenz“ (siehe Liste der Bier-Festivalen auf meiner Homepage) DIE Referenz in der Schweiz.

Persönlich konnte ich dieses Jahr weiterhin mehrere erfreuliche Tendenzen feststellen.

Die Wahl der eingeladenen Brauereien zuerst. Mit 5 Newcomern (6 wenn man The Stillman’s, die aber keine Brauerei ist, dazu zählt) konnten die Organisatoren nicht nur die Auswahl der Bieren erweitern, sondern vor allem die durchschnittliche Qualität sowie die Vertretung der Regionen deutlich verbessern. Mit der Präsenz von Brauereien wie Officina della Birra, Birrificio Ticinese und Brasserie du Chauve konnte kein vernünftiger Besucher den Wegfall von Hasli-Bier und Granicum vermissen. Oder ? Jetzt aber bitte noch Fahrtwind und Knüxx loswerden …

IMG_1705[1]Die positive Entwicklung der schweizerischen Bierkultur. Einerseits bei den Konsumenten: die Zeiten der zweifelnden Mienen vor Biere, die nicht hell und klar sind, sowie der dämlichen Bemerkungen gegenüber unverstandenen Produkten, sind mehrheitlich vorbei. Aber nicht nur: viele Personen sind jetzt neugierig oder wissen bestimmt was sie wollen. Wo früher fast exklusiv Lager hell bestellt wurden, boomen jetzt IPA oder Rauchbiere. Andererseits bei den Leuten, die sich das ganze Jahr mit dem Produkt Bier beschäftigen: man diskutiert über Netzwerk, Bier-Sommelier Ausbildungen, zusammengebrauten Biere; man sucht Synergien und plant Bieranlässe. Leider gibt es noch einige Akteure, die fälschlicherweise meinen, dass die Mikrobrauereien miteinander in Konkurrenz treten. Ganz im Gegenteil profitiert jede vom Erfolg ihrer Kollegen, da die Craft-Bier-Szene dadurch dynamisiert wird. Ein konvertierter Biertrinker wird in Zukunft weniger Massenbiere konsumieren, dafür aber höchstwahrscheinlich Produkte von anderen Mikrobrauereien.

Nick Beltraminelli (Birrificio Ticinese / Bad Attitude)

Nick Beltraminelli (Birrificio Ticinese / Bad Attitude)

Die positive Entwicklung der Biervielfalt. Was einige Pioniere wie BFM, Haldemann, Officina della Birra, Rapperswil Bier Factory oder Trois Dames seit Jahren grossartig praktizieren, fangen jetzt immer mehr andere Brauereien an zu folgen – mehr oder weniger. So präsentierten zum Beispiel – wenn ich richtig gezählt habe – nicht weniger als 12 von den insgesamt 27 anwesenden Brauereien ein IPA. Dieser Bier-Stil, der in der Schweiz zuerst durch die legendäre Bäre-Bräu vor 11 Jahren und dann durch Officina della Birra, BFM und Trois Dames eingeführt wurde, wird jetzt durch unerwartete Brauereien wie Aare Bier oder Jungfrau Bräu – endlich – angeboten.

Von den circa 150 präsentierten Bieren konnte ich 42 neue finden und diese Tatsache ist ebenfalls ein Zeichen der guten Erneuerung der Palette der offerierten Produkten in der Schweiz.

Gabriel Hill (Rapperswil Bier Factory) und Jérôme Rebetez (BFM)

Gabriel Hill (Rapperswil Bier Factory) und Jérôme Rebetez (BFM)

Hier ein kleiner und unvollständiger Überblick von meinen Biertagen 2013.

Das West Coast IPA von Altes Tramdepot ist sicher ein korrektes Bier, das aber einen direkten Vergleich mit der IPA Referenz in der Schweiz, nämlich dasjenige von Trois Dames, nicht aushielt.

Sehr gute Produkte von den Luzerner von Bertbier ! Das Peterli – ein Kölsch – und vor allem das Chömifäger – ein Rauchbier – dürfen nicht verpasst werden.

Das beste Bier des Festivals war meiner Meinung nach das Bad Attitude Two Penny Uischi, ein starkes Porter in Whisky Fässern gereift. Die Tessiner von Birrificio Ticinese haben sich seit ihrem Debüt massiv verbessert und zählen heute klar zu den 10 besten Brauereien des Landes. Nicht zu verpassen war ebenfalls ihr Scrum, ein schönes Saison.

Während ich vor 2 Jahren durch die Biere von Buechibärgerbier fast vergiftet wurde, muss ich diesmal zugestehen, dass sowohl das Hopfenschuss wie auch das Weizen trinkbar waren. Man lernt also, aber der Himmel ist noch nicht ganz blau.

IMG_1696[1]Seit Ende 2012 hat The Stillman’s seine Kollaboration mit der Brauerei Haldemann (die das Rohbier für die Reifung in Whisky Fässern braute) beendet und arbeitet neu mit Fleisch & Brau. Für mich sicher eine Erklärung für den kleinen Rückschritt in der Qualität. Eine andere (bessere) Brauerei scheint aber bald an der Reihe zu sein … Noch mehr zu bedauern ist die Tatsache, dass der Bier Produzent nicht mehr auf den Flaschen erscheint. Informationen zu verstecken nur weil dies nicht verboten ist, ist definitiv eine schlechte Gewohnheit.

Das schlechteste Bier, das ich dort entdeckt habe, kam erstaunlicherweise von den normalerweise soliden Krauchthalern von Hardeggerperle: ich konnte mit ihrem geschmacklosen Chrützfluebier wenig anfangen.

Die Brauerei Jungfrau Bräu zeigte – abseits das durchschnittliche Inferno – 2 gute Biere: das Rotes und das Jungfrau Pale Ale.

Was soll ich über Knüxx sagen … Sie sind zwar besser als die hoffnungslose Fahrtwind aus Winterthur, das schon, aber sie brauen weiterhin unterdurchschnittliche Biere. Diejenigen, die das Jura Gold oder das Hopfä-Häx gern haben, dürfen sofort nicht einverstanden sein und hier einen Kommentar schreiben.

Ich bin weiterhin von Kornhausbräu überrascht und überzeugt: das Lakritz-Porter war sehr gut !

IMG_1695[1]Die Brauerei Officina della Birra, die zum letzten Mal in 2007 in Solothurn war, war ein von den grössten Highlights. Das M13, ein grosszügig gehopftes Bier das dank dem Abschuss vom gleichnamigen Braunbär geboren ist, war wunderschön. Und sowohl das 90Nove wie auch das Apocalisse durften nicht verpasst werden.

Sam’s der Bieler präsentierte ein bescheidenes Hell dafür aber ein exzellentes Amber.

Ich konnte zwei gute Biere von den Newcomern von Sunnegg (Grächen in Wallis) verkosten: das Maibock und das Stout. Hingegen wurde ich von ihrem IPA – Wildsau genannt – nicht überzeugt.

Von Trois Dames hatte ich zwei hervorragende Biere (das ist keine Überraschung): das Sweet & Sour (eine Kollaboration mit Bad Attitude) und das Bise Noire Menthe. Das neue – und umstrittene – Tentation wartet noch bei mir im Keller.

Schlussendlich UHB. Ich kann mich wohl nicht an ein enttäuschendes Bier von Ueli erinnern und es war in Solothurn nicht anders. Ein gutes IPA (Wild Horse), ein noch besseres Sour Red Ale und ein verblüffendes Cranberry Ale. Nice work !

Also nicht verpassen: die 12. Solothurner Biertage werden vom 24. bis 26.4.2014 stattfinden !

Der Kanton Zürich ist, mit 57 registrierten Brauereien, die Nummer 2 in der Schweiz – nur 1 weniger als der Kanton Bern ! – was die Anzahl Braustandorten anbelangt. In Anbetracht der dynamischen Situation des Schweizer Markts könnte aber meine Aussage schon jetzt falsch sein.

Nach den – mittlerweile legendären - Solothurner Biertagen (seit 2003), dem Biergarten von Granges-Marnand (Waadt, seit 2009), BierKultur Aargau (seit 2009), dem Regio-Brauereitag (Solothurn/Basel-Landschaft) und dem Rapperswiler Craft Bier Festival (seit 2011) war eine Veranstaltung im Kanton Zürich also höchst fällig. Dank Hugo Gutknecht ist das jetzt erledigt !

Am 22. und 23.9. fanden also in Oberglatt die ersten Unterländer Biertage statt. Da neun Zürcher Brauereien (davon 2 für mich völlig Neuland waren) sowie zwei Gäste aus dem Kanton Bern dabei waren, wollte ich dies natürlich keinesfalls verpassen. Zusammen mit meinem Bieler Kamerad und lebenden Bierenzyklopädie Laurent Mousson kamen wir am Samstag kurz nach der Eröffnung in einer schon gut besuchten Chlieriethalle an.

Bevor ich auf die für mich unbekannten Biere losgehen konnte, war aber zuerst ein geplantes Interview mit Biergenuss angesagt. Während das Interview selber mit Rolf Wyss ganz gemütlich war, weiss ich heute noch nicht, wie ich die Fotosession überleben konnte. Ich wusste eigentlich gar nicht, dass man so viel fotografiert werden kann ! Wenn der Fotograf (Patrick ?) damit nicht mindestens ein korrektes Bild von mir geschnappt hat, werde ich bestimmt deprimieren …

Biersommelière und “Beer Ambassador” Diana Fry

Nach diesem Hollywoodischen Teil konnte ich mich endlich auf die Kernkompetenz meines Hobbys konzentrieren: die Suche nach neuen Bieren !

Vermutlich noch vom Blitz geblendet habe ich für meine Verkostung eine ungünstige Reihenfolge ausgewählt und mit 2 schwarzen Bieren angefangen. Das erste, das Brauwerk Nera (eine Brauerei aus Oberweningen), war ein sehr gutes Schwarzbier mit einem geprägtem Charakter und eine gute Komplexität. Eine schöne Überraschung aus einer für mich neuen Brauerei. Ich bin also jetzt schon auf ihre 2 andere Biere – die bei mir im Keller abwarten – gespannt ! Das zweite – ebenfalls Nera benannt – war ein Stout von Brüll!Bier. Dass Andreas Brüllmann ein guter Brauer ist, wusste ich schon. Ich war also keinesfalls überrascht, mit seinem Nera ein weiteres gutes Produkt von ihm treffen zu können.

Die zwei nächsten Biere, die auf mein Programm standen, waren perfekte Beispiele, dass die Welt der Schweizer Mikrobrauereien noch viel zu tun hat. Während das Muschtibräu (aus Bülach) mit seiner Noten von Butter und nassen Korn noch knapp trinkbar sein könnte (ich bin persönlich der Meinung, dass es auf der Welt genug gute Biere gibt, um mit einem solchen seine Zeit nicht zu vertrödeln), war das Walliseller Bier (aus der Walliseller Bier Brauerei) eine Schande. Wie kann man überhaupt so ein infiziertes Bier präsentieren ? Scheinbar muss man schon Schaffhauser sein, um dieses Bier trinken zu können, gäll Fips ? ;-)

Tom Strickler (links; der geniale Brauer von Storm&Anchor) und Philipp Sigg (der top(?) beerticker aus der Schweiz mit mehr als 9’000 degustierten Bieren)

 Es kam wieder besser mit dem Glattgold von Hardwald. Diese Walliseller (wieder !) Brauerei ist ganz klar die ambitionierteste, die an diesem Anlass teilgenommen hat. Tatsächlich wurden 700 Hektoliter als mittelfristiges Jahresziel deklariert, was im heutigen Schweizer Biermarkt und mit einem professionellen Braumeister (zurzeit hilft der Brauer der Rathausbrauerei von Luzern) vollkommen realistisch ist. Der Einsatz eines deutschen Braumeisters kann zwar Nachteile haben (sie können vermutlich noch lange auf ein IPA oder ein Stout abwarten), es ist aber meistens die Versicherung eines soliden Lagerbiers. Und das Glattgold, das definitiv als gutes Pils bezeichnet werden darf, hat dies bestätigt.

Nachdem mir die Brauerei Brüll!Bier mit ihrem Helles gezeigt hat, dass sie das Thema “untergärig” ebenfalls beherrscht, habe ich meine tägliche Reise um Schweizer Biere mit dem gewürzten Winter-Bier von den Berner aus Hohgant beendigt. Diese gute Brauerei, die meiner Meinung nach eine der besten in der Schweiz was Fruchtbiere anbelangt ist, zeigte damit, dass sie ebenfalls mit Gewürzen umgehen kann.

Ein Bierabend ist aber nie ganz richtig beendet, vor allem wenn Erzbiershof in der Nähe ist (ja ja: sie waren dabei und Adrian sah so beschätigt aus ;-)). So konnte ich – fast per Zufall –  zwei neue Biere entdecken. Sowohl das Rayon Vert von Green Flash – ein Belgian Style Pale Ale (sowas gibt es wohl nicht und ist eine typische US-Erfindung) – als auch das Short’s Black Cherry Porter waren eine sehr gute Weise, den Abend zu schliessen.

Ein Wort noch über die restlichen anwesenden Brauereien.

Unterländer Bräu – aus Niederglatt – bietet zwar keine grosse Originalität, dafür aber Biere von eher überdurchschnittlichen Qualität. Ich empfehle hier insbesondere das Hanfbier.

Die Dübendorfer Brauerei Monsterbräu war mir schon seit 2009 positiv bekannt. Die zwei neuen Biere – die ich als “Hausarbeit” mitnehmen konnte – von den frisch gebackenen Biersommeliers Andrea Kennel und Dani Schnider haben meinen Eindruck klar bestätigt.

Nicht zuletzt muss natürlich die Anwesenheit von drei Brauereien aus meiner Top Ten Liste erwähnt werden ! Sowohl Urs Flunser (UG-Bräu in Hagenbuch), Hugo Gutknecht (Gutknecht’s Hammerbier in Rümlang) wie auch Ulrich Bösiger (UHB in Burgdorf) gehören zu den besten Botschaftern einer hoch qualitativen Biervielfalt in unserem Land.

In einem solchen Anlass geht es aber nicht nur um die Biere, sondern auch darum, andere Bier-Aficionados begegnen zu können. So traf ich, unter anderen, Philipp Sigg (der Top Schweizer Beerticker mit mehr als 9’000 degustierten Bieren), Thomas Schneider (Mister 2’000 Schweizer Biere), Marcel Vogt (Andorra-Spezialist und Padawan :-) von Philipp und Thomas), Stef Gysel (ehemaliger genialer Brauer von BeSte und Stef’s Brauerei), Diana Fry (die spannende Biersommelière und Beer Ambassador) und Stefan Hahn (ebenfalls Biersommelier, aus Getränke-Service Hahn in Frauenfeld).

Wer wagt es, noch zu sagen: die Schweizer Bierkultur existiert nicht ? Klar gibt es noch viel zu tun, aber immer mehr Leute arbeiten daran.

Auf jeden Fall müsst ihr das Datum heute schon reservieren: die zweiten Unterländer Biertage werden am 21. und 22. September 2013 stattfinden !

Bis dann: cheers !