Archive for the ‘Swiss beer scene’ Category

Der Kanton Zürich ist, mit 57 registrierten Brauereien, die Nummer 2 in der Schweiz – nur 1 weniger als der Kanton Bern ! – was die Anzahl Braustandorten anbelangt. In Anbetracht der dynamischen Situation des Schweizer Markts könnte aber meine Aussage schon jetzt falsch sein.

Nach den – mittlerweile legendären - Solothurner Biertagen (seit 2003), dem Biergarten von Granges-Marnand (Waadt, seit 2009), BierKultur Aargau (seit 2009), dem Regio-Brauereitag (Solothurn/Basel-Landschaft) und dem Rapperswiler Craft Bier Festival (seit 2011) war eine Veranstaltung im Kanton Zürich also höchst fällig. Dank Hugo Gutknecht ist das jetzt erledigt !

Am 22. und 23.9. fanden also in Oberglatt die ersten Unterländer Biertage statt. Da neun Zürcher Brauereien (davon 2 für mich völlig Neuland waren) sowie zwei Gäste aus dem Kanton Bern dabei waren, wollte ich dies natürlich keinesfalls verpassen. Zusammen mit meinem Bieler Kamerad und lebenden Bierenzyklopädie Laurent Mousson kamen wir am Samstag kurz nach der Eröffnung in einer schon gut besuchten Chlieriethalle an.

Bevor ich auf die für mich unbekannten Biere losgehen konnte, war aber zuerst ein geplantes Interview mit Biergenuss angesagt. Während das Interview selber mit Rolf Wyss ganz gemütlich war, weiss ich heute noch nicht, wie ich die Fotosession überleben konnte. Ich wusste eigentlich gar nicht, dass man so viel fotografiert werden kann ! Wenn der Fotograf (Patrick ?) damit nicht mindestens ein korrektes Bild von mir geschnappt hat, werde ich bestimmt deprimieren …

Biersommelière und “Beer Ambassador” Diana Fry

Nach diesem Hollywoodischen Teil konnte ich mich endlich auf die Kernkompetenz meines Hobbys konzentrieren: die Suche nach neuen Bieren !

Vermutlich noch vom Blitz geblendet habe ich für meine Verkostung eine ungünstige Reihenfolge ausgewählt und mit 2 schwarzen Bieren angefangen. Das erste, das Brauwerk Nera (eine Brauerei aus Oberweningen), war ein sehr gutes Schwarzbier mit einem geprägtem Charakter und eine gute Komplexität. Eine schöne Überraschung aus einer für mich neuen Brauerei. Ich bin also jetzt schon auf ihre 2 andere Biere – die bei mir im Keller abwarten – gespannt ! Das zweite – ebenfalls Nera benannt – war ein Stout von Brüll!Bier. Dass Andreas Brüllmann ein guter Brauer ist, wusste ich schon. Ich war also keinesfalls überrascht, mit seinem Nera ein weiteres gutes Produkt von ihm treffen zu können.

Die zwei nächsten Biere, die auf mein Programm standen, waren perfekte Beispiele, dass die Welt der Schweizer Mikrobrauereien noch viel zu tun hat. Während das Muschtibräu (aus Bülach) mit seiner Noten von Butter und nassen Korn noch knapp trinkbar sein könnte (ich bin persönlich der Meinung, dass es auf der Welt genug gute Biere gibt, um mit einem solchen seine Zeit nicht zu vertrödeln), war das Walliseller Bier (aus der Walliseller Bier Brauerei) eine Schande. Wie kann man überhaupt so ein infiziertes Bier präsentieren ? Scheinbar muss man schon Schaffhauser sein, um dieses Bier trinken zu können, gäll Fips ? ;-)

Tom Strickler (links; der geniale Brauer von Storm&Anchor) und Philipp Sigg (der top(?) beerticker aus der Schweiz mit mehr als 9’000 degustierten Bieren)

 Es kam wieder besser mit dem Glattgold von Hardwald. Diese Walliseller (wieder !) Brauerei ist ganz klar die ambitionierteste, die an diesem Anlass teilgenommen hat. Tatsächlich wurden 700 Hektoliter als mittelfristiges Jahresziel deklariert, was im heutigen Schweizer Biermarkt und mit einem professionellen Braumeister (zurzeit hilft der Brauer der Rathausbrauerei von Luzern) vollkommen realistisch ist. Der Einsatz eines deutschen Braumeisters kann zwar Nachteile haben (sie können vermutlich noch lange auf ein IPA oder ein Stout abwarten), es ist aber meistens die Versicherung eines soliden Lagerbiers. Und das Glattgold, das definitiv als gutes Pils bezeichnet werden darf, hat dies bestätigt.

Nachdem mir die Brauerei Brüll!Bier mit ihrem Helles gezeigt hat, dass sie das Thema “untergärig” ebenfalls beherrscht, habe ich meine tägliche Reise um Schweizer Biere mit dem gewürzten Winter-Bier von den Berner aus Hohgant beendigt. Diese gute Brauerei, die meiner Meinung nach eine der besten in der Schweiz was Fruchtbiere anbelangt ist, zeigte damit, dass sie ebenfalls mit Gewürzen umgehen kann.

Ein Bierabend ist aber nie ganz richtig beendet, vor allem wenn Erzbiershof in der Nähe ist (ja ja: sie waren dabei und Adrian sah so beschätigt aus ;-) ). So konnte ich – fast per Zufall -  zwei neue Biere entdecken. Sowohl das Rayon Vert von Green Flash – ein Belgian Style Pale Ale (sowas gibt es wohl nicht und ist eine typische US-Erfindung) – als auch das Short’s Black Cherry Porter waren eine sehr gute Weise, den Abend zu schliessen.

Ein Wort noch über die restlichen anwesenden Brauereien.

Unterländer Bräu – aus Niederglatt – bietet zwar keine grosse Originalität, dafür aber Biere von eher überdurchschnittlichen Qualität. Ich empfehle hier insbesondere das Hanfbier.

Die Dübendorfer Brauerei Monsterbräu war mir schon seit 2009 positiv bekannt. Die zwei neuen Biere – die ich als “Hausarbeit” mitnehmen konnte – von den frisch gebackenen Biersommeliers Andrea Kennel und Dani Schnider haben meinen Eindruck klar bestätigt.

Nicht zuletzt muss natürlich die Anwesenheit von drei Brauereien aus meiner Top Ten Liste erwähnt werden ! Sowohl Urs Flunser (UG-Bräu in Hagenbuch), Hugo Gutknecht (Gutknecht’s Hammerbier in Rümlang) wie auch Ulrich Bösiger (UHB in Burgdorf) gehören zu den besten Botschaftern einer hoch qualitativen Biervielfalt in unserem Land.

In einem solchen Anlass geht es aber nicht nur um die Biere, sondern auch darum, andere Bier-Aficionados begegnen zu können. So traf ich, unter anderen, Philipp Sigg (der Top Schweizer Beerticker mit mehr als 9’000 degustierten Bieren), Thomas Schneider (Mister 2’000 Schweizer Biere), Marcel Vogt (Andorra-Spezialist und Padawan :-) von Philipp und Thomas), Stef Gysel (ehemaliger genialer Brauer von BeSte und Stef’s Brauerei), Diana Fry (die spannende Biersommelière und Beer Ambassador) und Stefan Hahn (ebenfalls Biersommelier, aus Getränke-Service Hahn in Frauenfeld).

Wer wagt es, noch zu sagen: die Schweizer Bierkultur existiert nicht ? Klar gibt es noch viel zu tun, aber immer mehr Leute arbeiten daran.

Auf jeden Fall müsst ihr das Datum heute schon reservieren: die zweiten Unterländer Biertage werden am 21. und 22. September 2013 stattfinden !

Bis dann: cheers !

Despite what Bavarians may pretend, the origins of Bock beers are lying in Lower Saxony in the town of Einbeck. From the 14th century the citizen of Einbeck had been given brewing rights and it seems that the first Bocks appeared then.

This beer seemed to have been originally top fermented and brewed with a large part of wheat. The word bock derived from Einbeck and also means goat, which explains the goats sometimes displayed on the labels. It has always designed a beer stronger than average. Nowadays Bocks are bottom fermented and have at least 5.3% alcohol.

The basic form – Dunkler Bock – is dark brown and very malty, mostly sweet and with a low hop character.

Another form is Heller Bock also called Maibock which is often presented between March and Mai, sometimes for Christmas. They have the same characteristics than  the basic bock, except than some earthiness or chocolateyness are absent , due to the use of pale malts instead of dark ones.

If the origins of Bocks may lead to discussion, those from Doppelbocks are clearly defined. This stronger version of traditional bocks was first brewed in Munich by the Paulaner monks. Usually dark in colour (a few pale one exist out there) they are intensely malty and toasty with in most cases some alcohol presence and a quite strong sweetness. They are ranging from 7% to 10% with still a low hop character (mostly below 30 IBUs). Lot of Doppelbocks are named “-ator” as a tribute to the original Paulaner Salvator. Switzerland does not make exception with the Zöbi-Nator or the Egghubel Luna Plenator.

Eisbock -  a very rare beer style – is produced by freezing a bock (or a doppelbock) and then removing the ice, thus concentrating the remaining beer. The result is an even stronger and sweeter product which is nicely suited as a dessert beer.

Weizenbock is a combination of weizen and bock which I personally estimate to belong to the Weizen family and hence not further consider here.

So, what about Bocks in Switzerland ?

First is to be said that amazingly – even if this beer style is a German tradition – no breweries from Romandie (the french-speaking part of the country) are producing (or have produced) a bock ! This will be corrected very soon though, considering the information I recently got…

The big breweries of the country are very precautious – to say the least – with bocks. So if Feldschlösschen, Heineken and Schützengarten are skipping this style, how could you except them to bring something bolder like stouts or IPA ? This is so right that one of the first thing having been done after the take-over of Hürlimann by Feldschlösschen is to discontinue the production of the legendary Samichlaus and from the Caesarus Imperator Heller Bock as well (the latter was produced for export only, so don’t be surprised if you don’t know it).

So nowadays you have to go with Locher and its Schnuggebock (but let’s be honest: a beer without any Bock characteristics), Sonnenbraü (Bock and Doppelbock; both subject to discussion  as well), Egger Bock (well …) or the brand new Rosengarten Schwyzer Bock Hell to find this style offered by a brewery of an important size.

Heller Bock are equally present as Dunkler Bock in Switzerland. This is mainly due to the fact that Swiss beer drinkers are supposedly afraid of dark beers (well, that’s at least what the big breweries and their marketing researches think to have found out).

The only Eisbocks I got from Switzerland were a test batch from the BFM (Alex le Rouge Eisbock, 14%) and the firstly commercialized but pretty modest what concerned alcohol content (7.5%) and quality: the Stadguet Eisbock.

So, it’s time to look at my top ten. Like last time, I will only consider here the beers which are still available. Otherwise, the Samichlaus would have crushed the opposition easily…

name brewery alc. comments
10th Oster Bock Raben Brau 6.6% a very unusual and loose interpretation of a Maibock – yet very good – showing notes of pumpkin and spices
Strättlige Bock Strättligen Bier 5.8% another quite free version presenting fruity and spicy tones and more hop character and bitterness as well
9th Barrique Maibock Schwarzbuebe Bier 9.5% an even more creative – and better – interpretation of the style: this strong and complex beer made its second fermentation for 2 weeks in a Sherry cask
6th Lago Mio Seeland Bräu 7% a very malty and characterful beer
Furgge Bock Hohgant 6.8% a Heller Bock showing notes of fruity and very aromatic hops
Maibock Gutknecht’s Hammer-Bier 7.5% a very tasty, fruity and malty Maibock
5th das Böhmische Haldemann 6% this Dunkler Bock is subtle, charming and very true to the style
4th Osterbock 2011 Haldemann 7.4% another great work from Fredy: a strong malty and chocolatey Doppelbock boosted by some fair hop presence
3rd St. Flannan Strättligen Bier 7.6% robust and accurate Doppelbock from Patrik !
2nd Maibock (M-Bock) Öufi 6.5% well-balanced, pleasant and true to the style
1st Adventsdoppelbock Gutknecht’s Hammer-Bier 6.8% darker in colour than usual, this beer is boosted with a total mastering by addition of lemon zest and cardamom

Seit langer Zeit hatte ich im Kopf die Idee, einen solchen Test durchzuführen. Zwei Sachen standen mir bis kurzem immer im Weg: der Aufwand und die Motivation. Ja: die Motivation. Ich teste zwar fast täglich Biere, aber die idee, 20 oder vielleicht mehr ähnliche, geschmacklose Lagerbiere nacheinander auszuprobieren ? Naja, man muss wirklich opfenbereit sein !

Nachdem im August 2011 der x-te Biertest im 20 Minuten Online publiziert wurde, habe ich mich entschlossen, selber einen zu organisieren. Diese Biertests, die regelmässig durch (Konsumenten)Zeitschriften organisiert werden, haben meiner Meinung nach mindestens zwei Schwächen: 1) die Palette von Bieren ist entweder unvollständig oder falsch ausgewählt (man denkt zum Beispiel an “Sieben Zürcher Biere im Vergleich” wobei 4 davon gar nicht im Kanton gebraut werden) und 2) … ich war nicht dabei ! Ja, ein bisschen Narzissmus muss auch sein ;-)

Wenn man so was organisiert, muss man die Rahmenbedingungen festlegen. Meine Idee war von Anfang an, die Lager Hell von den grösseren Brauereien der Schweiz gegeneinander antreten zu lassen. Kein Dunkel, kein Spezial und auch keine ausländische Marken, die in der Schweiz produziert werden (weg also mit Carlsberg und Heineken). Als minimale Grösse für die betroffenen Brauereien habe ich 10’000 Hektoliter festgelegt. Damit ist die Anzahl mit 27 zu testenden Bieren menschlich geblieben.

Diese 27 Biere musste ich aber zuerst finden und für gewisse war das schwieriger als ursprünglich angedacht. Hier möchte ich mich bei Peter Loosli von der Bierhütte bedanken: er hat meine Aufgabe mit seiner Auswahl und seinen speziellen Bestellungen wesentlich vereinfacht.

Da ich diesen Hindernislauf nicht allein durchlaufen wollte, habe ich (problemlos) zwei anderen Personen gefunden: Laurent Mousson, ehemaliger Vizepräsident der European Beer Consumers Union und Jurymitglied bei vielen internationalen Bier Wettbewerben und Rutzicka (Name der Redaktion bekannt :-) ), ein kundiger Bierliebhaber.

Ebenfalls war mir die Methode klar: der Test muss blind durchgeführt werden. Einfacher gesagt als getan, vor allem wenn die anderen Teilnehmer auch blind testen wollten und niemand bereit war, die Biere zu servieren :-)  … Nichts ist aber unmöglich (wenn das Thema Bier ist) und wir fanden bald eine Methode. Die Biere wurden in 6 Serien präsentiert (3×5 und 3×4), sie wurden jedesmal durch Rutzicka selektiert, in Plastikbechern serviert, auf nummerierten Bierdeckel deponiert und ich habe anschliessend die Reihenfolge der Becher gemischt. Damit besass nur Rutzicka einen Teil der Information, nämlich welche Biere in einer Serie vorhanden waren, er hatte aber keine Ahnung über die Reihenfolge. Erst ganz am Schluss wurden seine Informationen mit meinen verknüpft und die Namen der Biere offengelegt.

Die Biere wurden gemäss Ratebeer-Bewertungssystem notiert, also mit einem Maximum von 50 Punkten.

Lange Rede, kurzer Sinn - hier sind die Resultate:

Rang Bier Brauerei L.M. Rutzicka Bov Total
1 Gurten Lager Feldschlösschen (Rheinfelden) 18 20 31 69
2 Denner Lager Ramseier Suisse (Hochdorf) 22 19 25 66
3 Tell Heineken Switzerland (Chur) 16 22 26 64
4 Hopfemandli Lager Baar (Baar) 17 19 27 63
Old Boxer (Romanel/Lausanne) 19 21 23 63
Lager Felsenau (Bern) 16 17 30 63
7 Eichhof Lager Heineken Switzerland (Luzern) 21 18 23 62
Export Rugenbräu (Interlaken) 21 17 24 62
Lager Sonnenbräu (Rebstein) 16 21 25 62
10 Hürlimann Lager Feldschlösschen (Rheinfelden) 19 19 23 61
11 Coop Prix Garantie Heineken Switzerland (Chur) 19 23 18 60
Haldengut Lager Heineken Switzerland (Chur) 17 19 24 60
Lager Müller (Baden) 18 20 22 60
14 Landi Farmer Hell Ramseier Suisse (Hochdorf) 15 19 25 59
Lager Hell Schützengarten (St.Gallen) 19 18 22 59
16 Calanda Lager Heineken Switzerland (Chur) 18 18 20 56
Quöllfrisch Locher (Appenzell) 14 19 23 56
Löwengarten Hell Schützengarten (St.Gallen) 11 19 26 56
Warteck Lager Feldschlösschen (Rheinfelden) 14 18 24 56
20 Original Feldschlösschen (Rheinfelden) 15 20 19 54
Einsiedler Lager Rosengarten (Einsiedeln) 15 19 20 54
22 Cardinal Lager Feldschlösschen (Rheinfelden) 15 18 20 53
Römer Edelhell Ramseier Suisse (Hochdorf) 13 19 21 53
24 Galopper Egger (Worb) 16 18 18 52
Valaisanne Lager Feldschlösschen (Sion) 15 20 17 52
26 Lager Hell Falken (Schaffhausen) 12 12 17 41
27 Sprint Turbinen Bräu (Zürich) 10 13 15 38
Durchschnitt 16.3 18.7 22.5  57.5

Wenn ich diesen Test nur mit einem Wort zusammenfassen müsste, würde ich sagen: langweilig. Heilige Sch*%&@ waren diese Biere alle ähnlich, profillos und uninteressant ! Und ausgenommen bei 2 waren nicht einmal Fehler vorhanden, um die Monotonie zu unterbrechen … Die Homogenität der Geschmacksrichtungen hat aus diesem Test wirklich eine grosse Herausforderung gemacht !

Wie man es aus der letzten Zeile der Tabelle oben entnehmen kann, gab es bei den 3 Testern spürbare Unterschiede bei der durchschnittlichen Note. Das ist ganz normal und hat natürlich keinen Einfluss auf die Rangliste. Wichtig ist nur, dass jeder während dem ganzen Test gleichmässig bleibt.

Zwei Biere standen klar im Abseits, darunter das Produkt der kleinsten Brauerei im Rennen. In Anbetracht eindeutigen Aromen von Spargeln kann man berechtigte Zweifel an der Qualitätskontrolle bei Turbinen Bräu haben …

Mit seltenen Ausnahmen hatte ich diese Biere zum letzten Mal vor 6 bis 12 Jahren probiert und wusste eigentlich nicht ganz was von diesem Test zu erwarten war. Grundsätzlich – und trotz meinem initialen Vorbehalt - habe ich mehr geschmackliche Unterschiede zwischen den Bieren erwartet. Bezüglich der individuellen Resultate waren für mich die Leistungen von Turbinen Bräu und Locher besonders enttäuschend.

Wie verlässlich dieses Testresultat ist, bleibt – ehrlich gesagt – in Anbetracht der Ähnligkeit der Produkte, unbekannt. Ich werde aber in jedem Fall, vermutlich schon in den nächsten 12 Monaten, diesen Test wiederholen. Dann werden wir eine Antwort haben …

Prost !

Die neuesten Zahlen des Schweizer Biermarkts, nämlich vom Braujahr 2010/11 (1. Oktober bis 30. September), wurden gerade publiziert. Was sagen uns diese Zahlen ?

Zuerst dass die Bierimporte weiterhin stark zulegen (+69‘284 Hektoliter), eine Tendenz, die seit dem Jahr 2000 praktisch konstant ist. Dann dass sich der Inlandausstoss um 38‘306 hl reduziert hat, was daraus ein bescheidenes Wachstum des gesamten Konsums von 0.7% resultiert. Die Entwicklung dieser zwei Werten über den letzten 20 Jahren sieht folgendermassen aus:

Der Pro-Kopf-Konsum in der Schweiz hat sich zwischen 1991 (71 Liter) und 2005 (54.8 Liter) massiv reduziert, was den sehr negativen Trend der Schweizer Produktion zum grössten Teil erklärt. Diese sah kurz danach besser aus, schrumpft aber wieder seit 2008. Da in den letzten 3 Jahren 100 neuen Brauereien eröffnet wurden und gleichzeitig die meisten Klein- und Mittelbrauereien ihre Produktion erhöht haben (wie zum Beispiel Schützengarten, Locher, Müller, Egger, Felsenau, um nur die grösseren Brauereien zu nennen), sind die (grossen) Verlierer einfach zu finden. Weiss das jemand ? Jawohl: Carlsberg (Feldschlösschen/Valaisanne) und Heineken Switzerland (Calanda/Eichhof) ! (die Frage war zu einfach, es gibt also keinen Preis zu gewinnen :-) ).

Kaum bekannt ist die Tatsache, dass die beiden Giganten schon lange keine Zahlen mehr über ihre Produktion kommunizieren. Eine Zahl wird immer wieder in den Medien publiziert, nämlich dass die beiden zusammen 70% des Schweizer Biermarkts produzieren. Das ist ein totaler Quatsch, der vermutlich aus einer damals realistischen Schätzung vom Jahr 2000 herkommt. Gemäss meinen Schätzungen können diese zwei auf keinen Fall mehr als 60% darstellen. Etwas zwischen 57% und 58% scheint mir realistisch zu sein. Wie komme ich darauf ? Einfach mit einem Art Reverse Engineering: ich nehme alle Zahlen, die bekannt sind und der Rest gehört einfach zu Carlsberg und Heineken.

Nota bene Nr. 1: dies könnte wohl in Zukunft immer schwieriger werden, wenn man betrachtet, dass sogar Brauereien wie Egger, Felsenau oder Rugenbräu jetzt ihre Biermengen aus Konkurrenzgründen“ nur gerundet bekannt geben … Wie bitte ?!?
Nota bene Nr.2: dass meine Schätzungen ziemlich vollwertig sind, hat mir kürzlich eine sehr gut informierte Person bestätigt.

Hier also die Marktanteile in der Schweiz in 2011, made in Bov:

Was passiert also genau ? Jedes Jahr verzichtet circa 1% der Konsumenten auf seine Stange Feldschlösschen, Calanda, Cardinal, Tell, Gurten, Warteck, Halden Gut, Ittinger Klosterbräu oder wie alle diese ähnlichen Produkte mögen heissen und fliehen in 2 entgegengesetzte Richtungen.

Die erste Kategorie sind Leute für die Bier nichts anderes als ein Durstlöscher ist. Diese verschonen ihre Portemonnaie und entscheiden sich für billige Importprodukte (hauptsächlich die 5dl Dosen aus Deutschland).

Die zweite Kategorie bevorzugt zunehmend die Biere von kleineren Schweizer Brauereien. Sei es weil diese besser schmecken (was aber nicht immer der Fall ist) oder weil das Image der beiden Giganten negativ auffällt (fehlende regionale Identität sowie unzählige Übernahmen und Stellenabbau).

Was machen Heineken und Carlsberg dagegen ? Praktisch nichts ! Ihre Passivität ist wirklich verwunderlich. Sie motzen über dem landesweiten Rauchverbot in den meisten Restaurants und Bars, und bedauern, dass ihre Biervielfalt nicht wahrgenommen wird. Dabei realisieren sie nicht, dass Dutzende von geklonten Lager Hell bei weitem keine Biervielfalt darstellen … Umso besser für die Kleinbraureien ! Diese Lage ist aber mittelfristig für die Niederländer und die Dänen nicht tragbar. Ich gehe also davon aus, dass sie in den nächsten 10 Jahren entweder eine oder mehrere mittelgrosse Brauereien übernommen werden oder aber, dass sie aus dem Schweizer Biermarkt aussteigen.

Wer will mit mir wetten ?

cheers !

I like … what do I say ? I love ranking lists ! It’s like this, I am definitely more a scientist than a poet… That is why I would like to present you periodically my personal top tens of Swiss beers in different beer styles.

First of all, I must state something precisely: I do not judge beers to style. This is what is mostly done at homebrew or some other beer competitions. I do prefer and use an hedonic scale: how much does a beer please my senses is the most important to me. For example, even if I am usually more pleased by IPA than by Pilsner, I will favor an extravagant, original, well-made and challenging “not-true-to style” example from the latter over a true to style yet boring sample of the former every time.

This being said, a style classification is something important for the consumers, as it allows them, generally, to know what they can expect from a beer. But be careful: beer styles are moving targets and there is always plenty of room for interpretation, so you must be prepare to see sometimes wide differences in the same style. And be also cautious, talking about beer styles is like talking about religions: it can become very emotional …

So let’s take a closer look to today’s style. Well, I should say “styles” as I decided to put two of them together, namely Stout and Porter. There are two reasons for this: firstly, both styles share a lot of similitudes and can be considered as close relatives and secondly (in fact the main reason), I have only tasted 17 Porters from my country and at least 5 of them are now retired, so building a top ten out of 12 beers would be pretty ridiculous.

Porter has its origin in London at the beginning of the 18th century. It is the father of the later famous Stout. Porters are top fermented beers, dark brown to black in color and showing a roasted malty aroma. Cocoa and coffee are typical and they often present a hint of acidity. Baltic Porters, which appeared about 200 years later in the region between Denmark and the north-west of Russia, are bottom fermented, sweeter and stronger in alcohol (usually between 7.5% and 9.5%).

Also originated from England, Stout beers are top fermented, black in color and shows a roasted coffee-like profile with often notes of licorice and chocolate. Stout can be declined in subclasses: Dry Stouts (popular example: Guinness), Sweet Stouts (like Milk Stout and Oatmeal Stout) and Imperial Stouts, my personal favorite beer style, stronger (8 to 12% or even more), thicker and frequently more flavorful versions of basic Stouts.

The Old Cat, from the Brasserie Artisanale de Fribourg, has very certainly been the first Stout of the modern era brewed and commercialized in Switzerland (developed back in 1995 and sold since 1999). Then came the first Porter with the Sido’s Porter from les Faiseurs de Bière in 2000. Both beers are still produced but, although being very good, they do not appear in my top ten. Not long after came Stouts and Porters from other microbreweries: Haldemann, BFM, the legendary and now closed Bäre-Bräu, Altes Tramdepot and la Sierrvoise.

Stouts and Porters are absent of the big and middle-sized breweries’ portfolios. Decades of blond lager beers have led Swiss consumers away from dark beers and the biggest brewers are not ready to take some commercial risks and give them more visibility. So apart from Locher and his Calvinus Noire and Balik Beer (nota bene produced for two client brewers), you have to search by much more smaller breweries if you want to find something: BFM, Murailles, Sudwerk, Birrificio Ticinese, Altes Tramdepot and Öufi (by the last two though, not on regular basis).

Now it’s time to take a closer look to my personal ranking (please note that I have only considered beers which are still available!):

name brewery alc. comments
9th Black Cat Porter UHB  black chocolate and coffee are well present in this beautiful Porter
Arabica Degen 4.8% Swiss beer of the year 2009 in the category top-fermented, this is a beautiful Stout where the notes of coffee dominate
Äs Fyschter’s Mein Emmental 4.7%  a very roasted, fairly hoppy and much pleasant Dry Stout
Cévès Bâme Noire Bief 5.5%  don’t believe the brewers when they say this beer is lighter and less thick than Guinness … but better it is, that’s sure!
7th Weggess Stout Brauerei.sh 5%  a tasty Dry Stout showing notes of vanilla and walnuts
Bad Attitude Two Penny Birrificio Ticinese 8.15%  a very nice Porter brewed with American hops (Chinook, Amarillo and Willamette)
6th Pacific Pioneer Sudwerk 6%  unfortunately still a limited edition and not (yet?) available in the Coop supermarkets, this well-made, complex and dangerously drinkable Porter is for me the best of its kind
3rd Irish Stout Reinecke Bräu 6.1%  a pleasant, very drinkable and nicely complex Stout
Black Dream UG Bräu 5.1%  a tasty Irish Stout which makes Guinness look pretty ridiculous
la Noiraude Imperial Stout l’Enclave 7.5%  a complex full-bodied Imperial Stout
2nd Big Blackbier Rappi Bier Factory 8%  a seasonal Imperial Stout fermented four times: 2 tank fermentations, a barrel fermentation and a final bottle fermentation
1st Cuvée Alex le Rouge BFM 10.276%  brewed with Sarawak pepper (a pepper produced in the Malaysian portion of Borneo)

Cheers !

For those of you who don’t know it yet, I have to say it again: the little beer world of Switzerland is far from being static ! Do you need a proof ? So take these 8 days from mid-October…

It began with the opening festivity of the new Napf brewery (October 7th to 9th).  Martin Bühler and Ruedi Schütz first started back in 2005, taking over the former Stadhaus Huttwil and founding the Brauerei Napf GmbH. After almost 5 years in Huttwil they decided to go a step further by becoming fully professional and moved their brewery to Walterswil, in a 4-floor building formerly used by the retailer Landi.

Walterswil is a little village located in the rural north-east part of the canton of Bern and about 10 kilometers away from Huttwil. No need to say I had to switch-on my GPS to find it … I had unfortunately not much time on my hands the first evening, but it has been just enough to taste a pretty interesting Walterswiler Zwickel, to exchange words with people like Öufi-Chef Alex Künzle or UHB brewer Ueli Bösiger, as well to visit the pretty nice new brewery’s installations.

During the 18 months needed for the brewery’s move (yes, people from Bern are reputed to be very slow …) the about 1’000 hectoliters production have been brewed at Felsenau. Napf offers a line-up of 6 beers based on the German tradition: the Napfgold, a pale lager I personally enjoyed but which may present to much diacetyl if you are unlucky; the previously mentioned Walterswiler Zwickel; a decent Dunkel but in which the evil diacetyl tends also to be too present; the nice Füürwehrbräu, a smoked beer; the unconvincing (at least the last time I got it) and hoppy Doppelbock Müeti’s Hopfebock and finally the top-fermented Schwarze Spinne, a Schwarzbier brewed partially with maize.

I’m sure Ruedi and Martin have enough potential to stabilize their beers, increase their production and offer more creations in the future. Good luck guys !

On the same day came an announcement for a new beer magazine: biergenuss. This magazine, written in German, will be released quarterly. It will contain interviews, presentation of breweries, results from tasting, reviews of books, news, ideas for cooking with beer and much more.

A very welcomed idea which should close a deep gap leaved partially by the discontinued and very uneven “Courrier de l’Orge” from the Association des Buveurs d’Orge. Here also, all my wishes of success go to editor-in-chief and publisher Reto Rudolf.

And then, one week later on October 14th, a little event took place in Crissier (a municipality located west of Lausanne) in front of the beer shop Au Grain d’Orge in honour of the publication of the first brewery guide of the French-speaking part of Switzerland (“Brasseries artisanales de Suisse romande“). The first ? Regular visitors of my Switzerland Beer Guide may disagree, so let me say the first in hardcopy form ;-)

Six breweries were present at this festivity, (almost) one from each canton of Romandy: les Murailles (Genève), Bière Buse (Vaud), l’Enclave and Freiburger Biermanufaktur (Fribourg), Bières de Neuch (Neuchâtel) and BFM (Jura). Incontestably a selection of very good breweries ! This has resulted in an interesting and pleasant evening which even the deadly cold temperature has not been able to spoil.

Finally, some words about the guide: it is a very informative and well-designed book from which, unfortunately to my mind, every comments and reviews are deliberately absent. And in the present-days, chances are high that this guide could be very soon out-of-date, so I hope the editor is willing to publish future updates !

Der beste Bierladen der ganzen Schweiz zu sein war für Erzbierschof nicht genug. Nein, seit dem 13. September ist Erzbierschof ebenfalls Synonym für beste Bierbar in der Schweiz !

Gelegen in Liebefeld, eine kleine Ortschaft unmittelbar neben Bern, ist die Erzbierschof’s Bar für alle Bierliebhaber ein absolutes Muss !

8 Zapfhanen bieten eine sorgfältig abwechslungsreiche Selektion mit, zurzeit, Klassikern wie Chimay Tripel und Andechs Weissbier, die mit einer prächtigen Auswahl der Schweizer Biervielfalt zusammenleben: das neue Felsenau Amber, Locher Naturperle, UHB Sinner’s Ale, Trois Dames Pacifique Ale, Trois Dames Stout Menthe und BFM Abbaye de Saint Bon-Chien (ja, unglaublich aber wahr: das legendäre Saint Bon-Chien on tap !).

Diese Fassbiere stellen aber nur die Vorspeisen dar: die Flaschenbierauswahl ist einfach einmalig ! Man findet, unter anderem, Biere aus US-Brauereien wie Port Brewing, Cigar City, Hoppin’ Frog und Southern Tier, die Schotten von Brewdog, die Niederländer aus De Molen, die Belgier aus Cantillon und 3 Fonteinen, die Dänen aus Evil Twin und Beer Here, die Südafrikaner aus Bierwerk, einige Klassiker aus Deutschland wie Schneider Weisse, Köstritzer, Schlenkerla, Weihenstephan und Hacker-Pschorr sowie Schweizer Biere wie Burgdorfer, Felsenau, Egger, The Stillman’s Darach Mòr (Haldemann), Trois Dames und BFM. Diese Flaschen können direkt an der Bar getrunken werden oder mit nach Hause genommen werden.

Das Ganze in einer gemütlichen und schön dekorierten Bar, mit Poolbillard, Tischfussball, Darts, Internet Terminal und viele passionierten Gästen.

Alles in allem gibt es also genug Gründe, um die Erzbierschof’s Bar mehrmals zu besuchen …

Ursprünglich plante der Chefbrauer Gerry Farrell mit seiner brandneuen Brauerei Sudwerk in Pfäffikon, eine jährliche Produktion von 500 Hektoliter zu erreichen. So einfach zu schaffen, sollte dies, mit dem durch die beiden Giganten Heineken und Carlsberg geschlossenen Markt, wohl nicht sein.

Kaum wurde aber die erste Flasche abgefüllt (Ende März 2011), kam Mitte Mai eine erfreuliche, allerdings ziemlich erstaunliche Nachricht: Sudwerk erhielt von Coop einen Auftrag über jährlich 180’000 Flaschen ! Die Biere sollen in sämtlichen Filialen in der Deutschschweiz und bei den grösseren Filialen in der Westschweiz verkauft werden. Mittlerweile wurde die Bestellung sogar auf 240’000 Flaschen erhöht !

Wie das ermöglicht wurde, weiss ich nicht; da müsste man Gerry Farrell direkt fragen. Tatsache ist, dass Sudwerk als erste Schweizer Mikrobrauerei es geschafft hat, wo bis jetzt andere, wie zum Beispiel Turbinenbräu, Unser Bier, Aare Bier und BFM, gescheitert sind, nämlich eine schweizweite Distribution ihres Produktes. Und nein! Striker Beer (das “nur” in der Deutschschweiz erhältlich ist) ist keine Mikrobrauerei: die Biere werden bei Falken gebraut.

Fairerweise darf ich aber die Graubündner von Biervision Monstein nicht vergessen: zwei Biere von dieser Mikrobrauerei, die jährlich 2’500 Hektoliter produziert, sind in über 300 Coop erhältlich. Das bringt uns auf dem zweiten wichtigen Punkt: dem Produkt selber.

Vor Sudwerk wurden schweizweit nur die üblichen, meist verkauften Biertypen vertrieben: Lager Hell, Weizen, Märzen, Pils (mit ein bisschen Phantasiekraft…) und … das wär’s langsam ! Es stimmt wohl, dass die zwei Biere von Biervision Monstein in dieser Liste nicht passen. Aber bitte: sowohl das Mungga, ein sogenanntes Kölsch, das man nie an einen Kölner auschenken darf, wie auch das monotone und atypische Stein+Bock haben etwas gemeinsam: die Qualität wurde ausserhalb der Flaschen vergessen.

Was bei Sudwerk also neu ist, ist das Qualität und ungewöhnliche Biertypen zusammenkommen. Und das Ganze wird in der Schweiz gebraut und weit vertrieben.

Das Western Rider, ein American Pale Ale, hat mir wirklich gefallen. Es ist sehr schön zwischen seinen Hopfen- und Malzcharakteristiken ausgewogen, was zu einem charaktervollen und sehr trinkbaren Bier führt. Das Gold Miner ist ein gut gehopftes Golden Ale, das als einzige Schwäche Spuren von Diacetyl zeigt. Das dritte Bier, das bald erhältlich sein sollte, Pioneer Porter, konnte ich noch nicht verkosten. Natürlich ist es nicht “das erste Porter-Bier der Schweiz” wie es regio.ch unwissend berichtet, es ist aber klar das erste Porter, das in der ganzen Schweiz verfügbar ist.

Der Werbespruch von Sudwerk lautet “Schweizerbier mal anders“. Schön und gut. Man muss aber präzisieren, dass das Schweizerbier seit mehreren Jahren “anders” als Lager Hell sein kann. Das haben uns, lange vor Sudwerk, Brauerein wie BFM, Sierrvoise, G48, Haldemann, Brasserie Artisanale de Fribourg, Officina della Birra, Altes Tramdepot, Rappi Bier Factory, Öufi, Faiseurs de Bière, Käppelijoch Bier, Brasserie Artisanale du Dérochet, Trois Dames, Strättligen Bier, BeSte, Degenbier, Sevibräu, Luterbächlihof, l’Enclave, UG-Bräu, Bières de Neuch, Brauerei.sh, UHB, Bief, Schwarzbuebe Bier, unter anderem, bewiesen. Obwohl alle diese Brauereien zusammen kaum 1% des in der Schweiz getrunkenen Biers produzieren, haben sie alle, und gewisse seit 15 Jahren, zu der Erziehung den Schweizer Biertrinkern und der Erneuerung der Schweizer Bierkultur beigetragen. Damit einmal, vielleicht, solche Biersorten nicht mehr als “anders” bezeichnet werden.

Was jetzt ? Interessant wird sicher die Reaktion der Konsumenten sein. Diese scheint jetzt extrem positiv zu sein, man muss aber minimum ein Jahr abwarten, bis Schlüsse gezogen werden können. Ein Erfolg wurde sicher Coop motivieren, weitere “ungewöhnliche” Schweizer Biere im Sortiment zu nehmen. Das könnte eine Chance für einige der oben erwähnten Brauereien sein.

Noch was: Sudwerk muss vorsichtig agieren und mittelfristig nach anderen wichtigen Vertriebskanälen forschen. Eine zu hohe Abhängigkeit an einen Vertreiber ist nicht gesund. Und dies nicht nur wegen einem allfälligen Preisdruck.

Doch, doch: ihr habt richtig gelesen ! Und nein: ich bin weder besoffen noch Aktionär bei Heineken geworden.

Diese wunderbare Aussage hat Frank Wilde, Group Brand Manager International Brands von Heineken Switzerland AG, in einem Interview mit DemoSCOPE (eine Firma spezialisiert in Meinung- und Marktforschung) gemacht.

Weiter kann man lesen: „Bier ist für uns ein Genussmittel … . Jedes Bier, das nur getrunken und nicht genossen wird, ist nach unserer Meinung ein Bier zu viel.“

Wussten wir nicht alle schon lange, dass Heineken-Trinker Geniesser sind ? Wahnsinnig … Und das hat er sicher ohne krampfhaftes Lachen gefabelt. Herr Wilde ist garantiert ein guter Poker-Spieler …

Heineken in der Schweiz

Der niderländische Gigant konnte seine berühmte grüne Flasche zuerst in die weniger traditionnelle Westschweiz über den Coca-Cola Vertriebskanal einführen. 1984 wurde Heineken Switzerland gegründet und übernahm einen 10% Anteil von Calanda. 1988 wurde das Bier Tell für den Detailhandler Coop lanciert. 1990 schlossen sich Calanda und Haldengut zusammen. Heineken übernahm 1994 die Mehrheit an Calanda-Haldengut und stellte den Produktionsstandort in Winterthur 7 Jahre später ein. Seit 1998 wird die Marke Heineken in Chur gebraut. Letzte Episode (vorläufig) im Jahr 2008: Heineken übernahm Eichhof und verlegte ihren Hauptsitz nach Luzern.

Offizielle Zahle über Markanteile liegen leider nicht vor, gemäss meiner Schätzung sollte er circa 20% betragen.

High-Gravity-Verfahren

Vor bald 5 Jahren wurde der Generaldirektor von Heineken Switzerland, Herr Boudewijn van Rompu, in der Sendung „A bon entendeur“ der TSR (eine Schwestersendung von „Kassensturz“) interviewt. Damals anerkannte er (im Video zwischen 19:20 und 21:00), dass Heineken, um Kapazität einzusparen, tatsächlich ihre Biere mittels High-Gravity-Verfahren produziert. Anschliessend präzisierte er aber sofort, dass dieses Verfahren den Biergeschmack nicht ändert. Das äusserte er auf ruhige Art und Weise, oder ? Nicht ganz: die unerwartete und freche Frage des Journalist schockierte Herr van Rompu dermassen, dass er die Aufnahme sofort abbrechen liess. Erst nach einer 15-minütigen heissen Verhandlung realisierte Herr van Rompu, dass er wohl lieber die Behandlung dieses Themas so gut wie möglich noch selber kontrollieren sollte…

Was ist eigentlich High Gravity brewing ?

Ohne in die technische Details zu gehen (und nicht nur weil ich damit überfordert wäre ;-) ) kann man das High Gravity Verfahren folgendermassen definieren: eine höher konzentrierte Würze wird hergestellt und zu einem späteren Zeitpunkt (meist erst bei der Filtration) mit Wasser rückverdünnt.

Das High Gravity Brewing sieht grundsätzlich zwei Verfahrensweisen vor:

1.Verdünnung vor der Gärung

Diese Variante ist eine Möglichkeit für Brauereien mit einer begrenzten Sudhauskapazität und einem ausreichend grossen Gär- und Lagerbereich, um den Ausstoss zu erhöhen.

2.Verdünnung im Filtrationsbereich

Hier erfolgt die Verdünnung vor oder nach der Filtration.

Vorteile

Der ökonomische Vorteil ist einleuchtend.

Mit den gegebenen Kapazitäten lässt sich mehr Bier produzieren (man redet üblicherweise von 30 Prozent). Und durch die Konzentration der Würze lassen sich grosse Mengen an Energie und Arbeitszeit einsparen.

Ein großer Vorteil ist auch die grundsätzliche Möglichkeit aus einem Grundbier verschiedene Fertigbiere herstellen zu können.

Bleiben wir mal kurz auf diesem Punkt. Es ist mir zu Ohren gekommen (aus einer sehr guten Quelle), dass die Lager Hell Heineken, Calanda, Tell (speziell für Coop produziert) und Haldengut aus dem gleichen Sud mit verschiedenen Verdünnungsraten stammen. Dass eine solche Sauerei nicht stimmen kann, wird wohl durch die Antwort von Herrn Wilde auf die folgende Frage bewiesen (im gleichen Interview mit DemoSCOPE):

„Das Unternehmen Heineken Switzerland führt eine Reihe von Schweizer Marken wie Eichhof, Calanda und Original Ittinger Klosterbräu. Sind das noch die gleichen Biere wie früher, als sie noch eigenständig waren?“

Diese Rezepte sind einzigartig und bleiben unangetastet.

Klare und glaubwürdige Antwort. Oder doch nicht ?


Nachteile

Dass in der Welt des Bierbrauens die Anwendung solchen Techniken nur durch die Blume erwähnt wird, ist es schon ein Hinweis darauf, dass hier nicht alles sauber ist.

Obwohl die betroffenen Brauereien klipp und klar behaupten, dass das High Gravity Brewing keine Geschmacksänderungen verursacht, ist das nicht so einfach. Bei der Gärung entstehen vermehrt höher Alkohol und Ester, was zu einer Veränderung des Geschmackprofils führt. Ebenfalls ist eine Verschlechterung des Hopfencharakters und der Schaumstabilität unvermeidbar. Zusätzlich, je später die Verdünnung erfolgt, desto wässriger wird der Biercharakter. Es ist somit schwierig, wenn überhaupt möglich, den Geschmack herkömmlich gebrauter Biere zu treffen.

Denkt doch daran, wenn ihr das nächste Mal ein Genussmittel von Heineken verkostet !

P.S. Eine Stimme aus der hinteren Reihe: “Wie sieht es mit Feldschlösschen (Carlsberg) aus ?” Natürlich sieht es dort nicht anders aus … Ich habe schon gehört, dass sie scheinbar so stolz auf ihr High-Gravity-Verfahren sind, dass sogar während Führungen die Herstellung von verschiedenen Marken aus dem gleichen Grundbier erwähnt wird. Oder vielleicht wurde das nur durch einen zu ehrlichen (jetzt entlassenen) Mitarbeiter geäussert …


Die jetzt traditionellen und für jeden Bierliebhaber unumgänglichen Biertage fanden für das 9. folgende Jahr von 28. bis am 30. April in der historischen Solothurner Rythalle statt.

Diese Veranstaltung versammelte heuer 20 Kleinbrauereien aus der Schweiz (die grösste war Felsenau mit ihren 10‘000 Hektolitern) und präsentierte damit eine Auswahl von etwa 100 Bieren.

Dass in diesem Anlass nicht unbedingt die gedämpfte Atmosphäre einer Weinausstellung herrscht, weiss mittlerweile jede Person, die vor Ort nach 19 Uhr anwesend war. Die massive Präsenz von ahnungslosen und vor allem uninteressierten Leuten, deren einziges Ziel sich zu besaufen ist, sowie die teilweise betäubende Musik sind Bedingungen auf die ich persönlich gern verzichten würde. Immerhin ist der allgegenwärtige Rauch jetzt verbannt…
Obwohl … was das Interesse anbelangt: mir wurde in den letzten 2 Jahren gesagt, dass die Neugier für Spezialitäten, wie zum Beispiel Stout oder IPA, bei den Besuchern gestiegen ist. In welchem Ausmass weiss ich nicht; erfreulich ist es aber auf jeden Fall.

Treffpunkt

Nichtsdestotrotz sind die Solothurner Biertage ganz klar einen Treffpunkt für Bierexperten. Dieses Jahr konnte ich also wieder einer breiten Palette von Prominenzen aus der Schweizer Bierwelt begegnen.

Zuerst natürlich viele Brauer, wie Freddy Haldemann, Jérôme Rebetez, Stephen Hart, Raphael Mettler, Ulrich Bosiger, Christian Schenkl, Beat Rohner, Claude Degen und Michael Hanreich. Dann ist es immer ein Vergnügen, sich mit Biertage- und Öufi-Chef Alex Künzle zu unterhalten. Und es waren noch viele Personen, die alle zusammen ein gigantisches Fachwissen tragen: Biersommelier und „Erzbierschof“ Anton Flükiger; EBCU-Vizepräsident und lebende Bierenzyklopädie Laurent Mousson; GFB-Vizepräsident Toni Hutter; Heimbrauer-Idol Richi Leder; ehemaliger Brauer Lars Hovind; Biergenuss Redaktor Reto Rudolf; Bierjäger Philipp Sigg und Thomas Schneider; Bierjägerin beerlady; Bier-Globetrotter Pascal Sauser und die Sammler Hansruedi Giger und Bruno Sidler.

die Teilnehmer

20 Brauereien waren bei dieser 9. Edition anwesend. Zum ersten Mal dabei war die exzellente Brauerei Hohgant aus Schangnau, die ich vor einigen Monaten besucht habe.
Wie gewöhnlich blieb ich meinem Prinzip treu und fokussierte mich ausschliesslich auf die von mir noch unbekannten Biere. Dies hatte zum Nachteil, dass ich meine 3 Lieblings Schweizer Brauereien, die alle vor Ort waren, nämlich BFM, Trois Dames und Rappi Bier Factory, gänzlich ignorieren „müsste“ (die Welt ist bekanntlich nicht immer perfekt …)

Den Tiefpunkt teilten sich Fahrtwind (ehemaliges Mobile-Bräu) und die Solothurner von Buechibärgerbier. Während ich seit langen Zeiten nichts Gutes von den Winterthurern mehr erwarte (das haarsträubende Fahrtwind Caramel war die x-te Bestätigung), muss ich hingegen zugeben, dass ich von den 3 neuen Bieren von Buechibärgerbier enttäuscht wurde. Weil das Hanf Bier noch trinkbar war, waren das Pseudo-Dunkel, Schlossfrüsch genannt, und vor allem das widerliche Grabefrüsch (Reste eines missglückten Sudes ?) einfach beschämend.
Kaum besser waren das Knüxx Bozen (ein fraglicher Weizenbock), das scheue geschmacklose Honigbier von Hardeggerperle, das kuriose Festbier von Hasli und das unausgewogene Granicum Rauchbier.

So werdet ihr sagen, gab es nichts Gutes ? Doch, doch … fangen wir mal mit der Brauerei Napf (die ihre Installationen seit bald 2 Jahren von Huttwil nach Walterswil umzieht…) und ihr interessantes rauchiges Füürwehrbräu an. Dann gab das aromatische und schmackhafte Seeland Bräu Märzen. Erstaunlich war nicht die gute Qualität dieses Bieres (die Nidauer sind einfach prima!), sondern die Tatsache, dass ich nach Solothurn fahren musste, um ein neues Bier zu finden, das aus einer von mir 4 Kilometer entfernten Brauerei stammt. Sowas kann sich ergeben: ich habe mir sogar einmal ein von mir unbekanntes Schweizer Bier aus den Vereinigten Staaten schicken lassen. Allerdings handelte es sich um das verstorbene Caesarus Imperator von Hürlimann, ein Bier das ich in der Schweiz nie finden konnte.

So, zurück zum Thema und zu den besten Bieren, die ich in der Rythalle probieren konnte.
Ja, das Hohgant Honig ist ein sehr gut gebrautes Bier, aber die Produkte von Haldemann waren einfach nicht zu schlagen ! Dass Freddy ein sehr begabter Brauer ist, weiss ich seit März 2003, als ich zum ersten Mal seine Biere verkostet habe. Leider entschied Freddy wenig später, seine Biere … wie kann ich es sagen … zu planieren. Sein Ziel war es, die Mehrheit der Leuten anzusprechen, was ihm vorher mit seinen anspruchsvollen Bieren nicht gelang.

Seinen Entscheid bedauerte ich natürlich, aber jede Person muss wohl seinen Weg selber finden. Fairerweise muss man aber auch gestehen, dass die Schweizer Biertrinker damals für seine Biere gar nicht bereit waren. Heute hat sich einerseits die Situation ein bisschen entwickelt und andererseits (vor allem ?) hat Freddy sicher festgestellt, dass der Weg der Kompromisse allein in die falsche Richtung geht.
Lange Rede, kurzer Sinn: das Resultat ist da ! Das Böhmische: ein subtiler jedoch kraftvoller Dunkler Bock, der man gern literweise trinken könnte; das Pale Ale, ein sehr aromatisches und hopfenbetontes 7,2% Bier, das ich als englischer strong ale bezeichnen würde; das Schwarzbier, vollmundig, malzig und stark und schlussendlich das wunderbare Osterbock 2011, ein komplexer, malziger und hopfenbetonter 7,4%Doppelbock.

Sind das nicht gute Gründe genug, um die nächsten Solothurner Biertage nicht zu verpassen ?