„Bei Heineken kommt Qualität vor Quantität“

Posted: June 6, 2011 in Breweries and Shops, Swiss beer scene
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Doch, doch: ihr habt richtig gelesen ! Und nein: ich bin weder besoffen noch Aktionär bei Heineken geworden.

Diese wunderbare Aussage hat Frank Wilde, Group Brand Manager International Brands von Heineken Switzerland AG, in einem Interview mit DemoSCOPE (eine Firma spezialisiert in Meinung- und Marktforschung) gemacht.

Weiter kann man lesen: „Bier ist für uns ein Genussmittel … . Jedes Bier, das nur getrunken und nicht genossen wird, ist nach unserer Meinung ein Bier zu viel.“

Wussten wir nicht alle schon lange, dass Heineken-Trinker Geniesser sind ? Wahnsinnig … Und das hat er sicher ohne krampfhaftes Lachen gefabelt. Herr Wilde ist garantiert ein guter Poker-Spieler …

Heineken in der Schweiz

Der niderländische Gigant konnte seine berühmte grüne Flasche zuerst in die weniger traditionnelle Westschweiz über den Coca-Cola Vertriebskanal einführen. 1984 wurde Heineken Switzerland gegründet und übernahm einen 10% Anteil von Calanda. 1988 wurde das Bier Tell für den Detailhandler Coop lanciert. 1990 schlossen sich Calanda und Haldengut zusammen. Heineken übernahm 1994 die Mehrheit an Calanda-Haldengut und stellte den Produktionsstandort in Winterthur 7 Jahre später ein. Seit 1998 wird die Marke Heineken in Chur gebraut. Letzte Episode (vorläufig) im Jahr 2008: Heineken übernahm Eichhof und verlegte ihren Hauptsitz nach Luzern.

Offizielle Zahle über Markanteile liegen leider nicht vor, gemäss meiner Schätzung sollte er circa 20% betragen.

High-Gravity-Verfahren

Vor bald 5 Jahren wurde der Generaldirektor von Heineken Switzerland, Herr Boudewijn van Rompu, in der Sendung „A bon entendeur“ der TSR (eine Schwestersendung von „Kassensturz“) interviewt. Damals anerkannte er (im Video zwischen 19:20 und 21:00), dass Heineken, um Kapazität einzusparen, tatsächlich ihre Biere mittels High-Gravity-Verfahren produziert. Anschliessend präzisierte er aber sofort, dass dieses Verfahren den Biergeschmack nicht ändert. Das äusserte er auf ruhige Art und Weise, oder ? Nicht ganz: die unerwartete und freche Frage des Journalist schockierte Herr van Rompu dermassen, dass er die Aufnahme sofort abbrechen liess. Erst nach einer 15-minütigen heissen Verhandlung realisierte Herr van Rompu, dass er wohl lieber die Behandlung dieses Themas so gut wie möglich noch selber kontrollieren sollte…

Was ist eigentlich High Gravity brewing ?

Ohne in die technische Details zu gehen (und nicht nur weil ich damit überfordert wäre ;-)) kann man das High Gravity Verfahren folgendermassen definieren: eine höher konzentrierte Würze wird hergestellt und zu einem späteren Zeitpunkt (meist erst bei der Filtration) mit Wasser rückverdünnt.

Das High Gravity Brewing sieht grundsätzlich zwei Verfahrensweisen vor:

1.Verdünnung vor der Gärung

Diese Variante ist eine Möglichkeit für Brauereien mit einer begrenzten Sudhauskapazität und einem ausreichend grossen Gär- und Lagerbereich, um den Ausstoss zu erhöhen.

2.Verdünnung im Filtrationsbereich

Hier erfolgt die Verdünnung vor oder nach der Filtration.

Vorteile

Der ökonomische Vorteil ist einleuchtend.

Mit den gegebenen Kapazitäten lässt sich mehr Bier produzieren (man redet üblicherweise von 30 Prozent). Und durch die Konzentration der Würze lassen sich grosse Mengen an Energie und Arbeitszeit einsparen.

Ein großer Vorteil ist auch die grundsätzliche Möglichkeit aus einem Grundbier verschiedene Fertigbiere herstellen zu können.

Bleiben wir mal kurz auf diesem Punkt. Es ist mir zu Ohren gekommen (aus einer sehr guten Quelle), dass die Lager Hell Heineken, Calanda, Tell (speziell für Coop produziert) und Haldengut aus dem gleichen Sud mit verschiedenen Verdünnungsraten stammen. Dass eine solche Sauerei nicht stimmen kann, wird wohl durch die Antwort von Herrn Wilde auf die folgende Frage bewiesen (im gleichen Interview mit DemoSCOPE):

„Das Unternehmen Heineken Switzerland führt eine Reihe von Schweizer Marken wie Eichhof, Calanda und Original Ittinger Klosterbräu. Sind das noch die gleichen Biere wie früher, als sie noch eigenständig waren?“

Diese Rezepte sind einzigartig und bleiben unangetastet.

Klare und glaubwürdige Antwort. Oder doch nicht ?


Nachteile

Dass in der Welt des Bierbrauens die Anwendung solchen Techniken nur durch die Blume erwähnt wird, ist es schon ein Hinweis darauf, dass hier nicht alles sauber ist.

Obwohl die betroffenen Brauereien klipp und klar behaupten, dass das High Gravity Brewing keine Geschmacksänderungen verursacht, ist das nicht so einfach. Bei der Gärung entstehen vermehrt höher Alkohol und Ester, was zu einer Veränderung des Geschmackprofils führt. Ebenfalls ist eine Verschlechterung des Hopfencharakters und der Schaumstabilität unvermeidbar. Zusätzlich, je später die Verdünnung erfolgt, desto wässriger wird der Biercharakter. Es ist somit schwierig, wenn überhaupt möglich, den Geschmack herkömmlich gebrauter Biere zu treffen.

Denkt doch daran, wenn ihr das nächste Mal ein Genussmittel von Heineken verkostet !

P.S. Eine Stimme aus der hinteren Reihe: “Wie sieht es mit Feldschlösschen (Carlsberg) aus ?” Natürlich sieht es dort nicht anders aus … Ich habe schon gehört, dass sie scheinbar so stolz auf ihr High-Gravity-Verfahren sind, dass sogar während Führungen die Herstellung von verschiedenen Marken aus dem gleichen Grundbier erwähnt wird. Oder vielleicht wurde das nur durch einen zu ehrlichen (jetzt entlassenen) Mitarbeiter geäussert …

Comments
  1. bienabienne says:

    très belle présentation de blog, bel habillage donc et apparemment, les buveurs de bière apprécient l’endroit! allez la Madelon sert nous don une binch et deux galopins!

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