Der grosse Test von Schweizer Massenbieren

Posted: February 16, 2012 in Beer tasting, Swiss beer scene
Tags: , , , , , , , , , , , ,

Seit langer Zeit hatte ich im Kopf die Idee, einen solchen Test durchzuführen. Zwei Sachen standen mir bis kurzem immer im Weg: der Aufwand und die Motivation. Ja: die Motivation. Ich teste zwar fast täglich Biere, aber die idee, 20 oder vielleicht mehr ähnliche, geschmacklose Lagerbiere nacheinander auszuprobieren ? Naja, man muss wirklich opfenbereit sein !

Nachdem im August 2011 der x-te Biertest im 20 Minuten Online publiziert wurde, habe ich mich entschlossen, selber einen zu organisieren. Diese Biertests, die regelmässig durch (Konsumenten)Zeitschriften organisiert werden, haben meiner Meinung nach mindestens zwei Schwächen: 1) die Palette von Bieren ist entweder unvollständig oder falsch ausgewählt (man denkt zum Beispiel an “Sieben Zürcher Biere im Vergleich” wobei 4 davon gar nicht im Kanton gebraut werden) und 2) … ich war nicht dabei ! Ja, ein bisschen Narzissmus muss auch sein😉

Wenn man so was organisiert, muss man die Rahmenbedingungen festlegen. Meine Idee war von Anfang an, die Lager Hell von den grösseren Brauereien der Schweiz gegeneinander antreten zu lassen. Kein Dunkel, kein Spezial und auch keine ausländische Marken, die in der Schweiz produziert werden (weg also mit Carlsberg und Heineken). Als minimale Grösse für die betroffenen Brauereien habe ich 10’000 Hektoliter festgelegt. Damit ist die Anzahl mit 27 zu testenden Bieren menschlich geblieben.

Diese 27 Biere musste ich aber zuerst finden und für gewisse war das schwieriger als ursprünglich angedacht. Hier möchte ich mich bei Peter Loosli von der Bierhütte bedanken: er hat meine Aufgabe mit seiner Auswahl und seinen speziellen Bestellungen wesentlich vereinfacht.

Da ich diesen Hindernislauf nicht allein durchlaufen wollte, habe ich (problemlos) zwei anderen Personen gefunden: Laurent Mousson, ehemaliger Vizepräsident der European Beer Consumers Union und Jurymitglied bei vielen internationalen Bier Wettbewerben und Rutzicka (Name der Redaktion bekannt :-)), ein kundiger Bierliebhaber.

Ebenfalls war mir die Methode klar: der Test muss blind durchgeführt werden. Einfacher gesagt als getan, vor allem wenn die anderen Teilnehmer auch blind testen wollten und niemand bereit war, die Biere zu servieren :-) … Nichts ist aber unmöglich (wenn das Thema Bier ist) und wir fanden bald eine Methode. Die Biere wurden in 6 Serien präsentiert (3×5 und 3×4), sie wurden jedesmal durch Rutzicka selektiert, in Plastikbechern serviert, auf nummerierten Bierdeckel deponiert und ich habe anschliessend die Reihenfolge der Becher gemischt. Damit besass nur Rutzicka einen Teil der Information, nämlich welche Biere in einer Serie vorhanden waren, er hatte aber keine Ahnung über die Reihenfolge. Erst ganz am Schluss wurden seine Informationen mit meinen verknüpft und die Namen der Biere offengelegt.

Die Biere wurden gemäss Ratebeer-Bewertungssystem notiert, also mit einem Maximum von 50 Punkten.

Lange Rede, kurzer Sinn – hier sind die Resultate:

Rang Bier Brauerei L.M. Rutzicka Bov Total
1 Gurten Lager Feldschlösschen (Rheinfelden) 18 20 31 69
2 Denner Lager Ramseier Suisse (Hochdorf) 22 19 25 66
3 Tell Heineken Switzerland (Chur) 16 22 26 64
4 Hopfemandli Lager Baar (Baar) 17 19 27 63
Old Boxer (Romanel/Lausanne) 19 21 23 63
Lager Felsenau (Bern) 16 17 30 63
7 Eichhof Lager Heineken Switzerland (Luzern) 21 18 23 62
Export Rugenbräu (Interlaken) 21 17 24 62
Lager Sonnenbräu (Rebstein) 16 21 25 62
10 Hürlimann Lager Feldschlösschen (Rheinfelden) 19 19 23 61
11 Coop Prix Garantie Heineken Switzerland (Chur) 19 23 18 60
Haldengut Lager Heineken Switzerland (Chur) 17 19 24 60
Lager Müller (Baden) 18 20 22 60
14 Landi Farmer Hell Ramseier Suisse (Hochdorf) 15 19 25 59
Lager Hell Schützengarten (St.Gallen) 19 18 22 59
16 Calanda Lager Heineken Switzerland (Chur) 18 18 20 56
Quöllfrisch Locher (Appenzell) 14 19 23 56
Löwengarten Hell Schützengarten (St.Gallen) 11 19 26 56
Warteck Lager Feldschlösschen (Rheinfelden) 14 18 24 56
20 Original Feldschlösschen (Rheinfelden) 15 20 19 54
Einsiedler Lager Rosengarten (Einsiedeln) 15 19 20 54
22 Cardinal Lager Feldschlösschen (Rheinfelden) 15 18 20 53
Römer Edelhell Ramseier Suisse (Hochdorf) 13 19 21 53
24 Galopper Egger (Worb) 16 18 18 52
Valaisanne Lager Feldschlösschen (Sion) 15 20 17 52
26 Lager Hell Falken (Schaffhausen) 12 12 17 41
27 Sprint Turbinen Bräu (Zürich) 10 13 15 38
Durchschnitt 16.3 18.7 22.5  57.5

Wenn ich diesen Test nur mit einem Wort zusammenfassen müsste, würde ich sagen: langweilig. Heilige Sch*%&@ waren diese Biere alle ähnlich, profillos und uninteressant ! Und ausgenommen bei 2 waren nicht einmal Fehler vorhanden, um die Monotonie zu unterbrechen … Die Homogenität der Geschmacksrichtungen hat aus diesem Test wirklich eine grosse Herausforderung gemacht !

Wie man es aus der letzten Zeile der Tabelle oben entnehmen kann, gab es bei den 3 Testern spürbare Unterschiede bei der durchschnittlichen Note. Das ist ganz normal und hat natürlich keinen Einfluss auf die Rangliste. Wichtig ist nur, dass jeder während dem ganzen Test gleichmässig bleibt.

Zwei Biere standen klar im Abseits, darunter das Produkt der kleinsten Brauerei im Rennen. In Anbetracht eindeutigen Aromen von Spargeln kann man berechtigte Zweifel an der Qualitätskontrolle bei Turbinen Bräu haben …

Mit seltenen Ausnahmen hatte ich diese Biere zum letzten Mal vor 6 bis 12 Jahren probiert und wusste eigentlich nicht ganz was von diesem Test zu erwarten war. Grundsätzlich – und trotz meinem initialen Vorbehalt – habe ich mehr geschmackliche Unterschiede zwischen den Bieren erwartet. Bezüglich der individuellen Resultate waren für mich die Leistungen von Turbinen Bräu und Locher besonders enttäuschend.

Wie verlässlich dieses Testresultat ist, bleibt – ehrlich gesagt – in Anbetracht der Ähnligkeit der Produkte, unbekannt. Ich werde aber in jedem Fall, vermutlich schon in den nächsten 12 Monaten, diesen Test wiederholen. Dann werden wir eine Antwort haben …

Prost !

Comments
  1. Dieser Test dürfte m.E. sicher repräsentativ sein, denn das Schweizer Lager-Bier zeichnet sich vor allem durch die erwähnte gähnende Langeweile aus. Einzig, dass das unsägliche Farmerbier einen Mittelplatz erreicht hat, erstaunt mich schon. Mich graust nämlich immer noch ob meinen beiden (erster und ganz sicher letzter Schluck) Schlücken davon vor ca. 5 Jahren…

  2. Matthias Wiesmann says:

    Puh, 27 Biere zu testen ist eine grosse Leistung. Gratulation. Bestürzt bin ich als Zürcher vom Abschneiden “unseres” Bieres. Ich glaube, das Sprint wäre ohne Fehler weiter oben gelandet. Aber natürlich darf sich Turbinenbräu eigentlich keine Fehler erlauben. Die Wiederholung des Tests bietet immerhin die Chance eines Aufstiegs. Und falls die Testpersonen knapp werden, ich stelle mich selbstverständlich zur Verfügung.

  3. unbekannt says:

    Ich habe hierher gefunden weil ich wissen wollte von welchem Hersteller Coop Prix Garantie Bier ist da immer alle sagen das es das selbe wie Feldschlösschen sei. jetz ist mir klar warum ich dieses Bier nicht mag da ich überhaupt nicht gerne Heineken trinke.🙂 Wenn ich mir so diese Liste ansehe bin ich überrascht grad weil quöllfrisch relativ schlecht abgeschnitten hat weil ich persönlich finde das es eines der besten Biere ist.

    • hoiii says:

      muss ich auch sagen die appenzeller biere stechen noch raus und sind gut.. vom billigen bier find ich das prix garantie am besten. kam ewig von heinekin aus chur jetz macht das aber irgend eine deutsche brauerei. wüsste gern welche.. schmeckt immernoch gleich..

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s