Der Kanton Zürich ist, mit 57 registrierten Brauereien, die Nummer 2 in der Schweiz – nur 1 weniger als der Kanton Bern ! – was die Anzahl Braustandorten anbelangt. In Anbetracht der dynamischen Situation des Schweizer Markts könnte aber meine Aussage schon jetzt falsch sein.

Nach den – mittlerweile legendären – Solothurner Biertagen (seit 2003), dem Biergarten von Granges-Marnand (Waadt, seit 2009), BierKultur Aargau (seit 2009), dem Regio-Brauereitag (Solothurn/Basel-Landschaft) und dem Rapperswiler Craft Bier Festival (seit 2011) war eine Veranstaltung im Kanton Zürich also höchst fällig. Dank Hugo Gutknecht ist das jetzt erledigt !

Am 22. und 23.9. fanden also in Oberglatt die ersten Unterländer Biertage statt. Da neun Zürcher Brauereien (davon 2 für mich völlig Neuland waren) sowie zwei Gäste aus dem Kanton Bern dabei waren, wollte ich dies natürlich keinesfalls verpassen. Zusammen mit meinem Bieler Kamerad und lebenden Bierenzyklopädie Laurent Mousson kamen wir am Samstag kurz nach der Eröffnung in einer schon gut besuchten Chlieriethalle an.

Bevor ich auf die für mich unbekannten Biere losgehen konnte, war aber zuerst ein geplantes Interview mit Biergenuss angesagt. Während das Interview selber mit Rolf Wyss ganz gemütlich war, weiss ich heute noch nicht, wie ich die Fotosession überleben konnte. Ich wusste eigentlich gar nicht, dass man so viel fotografiert werden kann ! Wenn der Fotograf (Patrick ?) damit nicht mindestens ein korrektes Bild von mir geschnappt hat, werde ich bestimmt deprimieren …

Biersommelière und “Beer Ambassador” Diana Fry

Nach diesem Hollywoodischen Teil konnte ich mich endlich auf die Kernkompetenz meines Hobbys konzentrieren: die Suche nach neuen Bieren !

Vermutlich noch vom Blitz geblendet habe ich für meine Verkostung eine ungünstige Reihenfolge ausgewählt und mit 2 schwarzen Bieren angefangen. Das erste, das Brauwerk Nera (eine Brauerei aus Oberweningen), war ein sehr gutes Schwarzbier mit einem geprägtem Charakter und eine gute Komplexität. Eine schöne Überraschung aus einer für mich neuen Brauerei. Ich bin also jetzt schon auf ihre 2 andere Biere – die bei mir im Keller abwarten – gespannt ! Das zweite – ebenfalls Nera benannt – war ein Stout von Brüll!Bier. Dass Andreas Brüllmann ein guter Brauer ist, wusste ich schon. Ich war also keinesfalls überrascht, mit seinem Nera ein weiteres gutes Produkt von ihm treffen zu können.

Die zwei nächsten Biere, die auf mein Programm standen, waren perfekte Beispiele, dass die Welt der Schweizer Mikrobrauereien noch viel zu tun hat. Während das Muschtibräu (aus Bülach) mit seiner Noten von Butter und nassen Korn noch knapp trinkbar sein könnte (ich bin persönlich der Meinung, dass es auf der Welt genug gute Biere gibt, um mit einem solchen seine Zeit nicht zu vertrödeln), war das Walliseller Bier (aus der Walliseller Bier Brauerei) eine Schande. Wie kann man überhaupt so ein infiziertes Bier präsentieren ? Scheinbar muss man schon Schaffhauser sein, um dieses Bier trinken zu können, gäll Fips ?😉

Tom Strickler (links; der geniale Brauer von Storm&Anchor) und Philipp Sigg (der top(?) beerticker aus der Schweiz mit mehr als 9’000 degustierten Bieren)

 Es kam wieder besser mit dem Glattgold von Hardwald. Diese Walliseller (wieder !) Brauerei ist ganz klar die ambitionierteste, die an diesem Anlass teilgenommen hat. Tatsächlich wurden 700 Hektoliter als mittelfristiges Jahresziel deklariert, was im heutigen Schweizer Biermarkt und mit einem professionellen Braumeister (zurzeit hilft der Brauer der Rathausbrauerei von Luzern) vollkommen realistisch ist. Der Einsatz eines deutschen Braumeisters kann zwar Nachteile haben (sie können vermutlich noch lange auf ein IPA oder ein Stout abwarten), es ist aber meistens die Versicherung eines soliden Lagerbiers. Und das Glattgold, das definitiv als gutes Pils bezeichnet werden darf, hat dies bestätigt.

Nachdem mir die Brauerei Brüll!Bier mit ihrem Helles gezeigt hat, dass sie das Thema “untergärig” ebenfalls beherrscht, habe ich meine tägliche Reise um Schweizer Biere mit dem gewürzten Winter-Bier von den Berner aus Hohgant beendigt. Diese gute Brauerei, die meiner Meinung nach eine der besten in der Schweiz was Fruchtbiere anbelangt ist, zeigte damit, dass sie ebenfalls mit Gewürzen umgehen kann.

Ein Bierabend ist aber nie ganz richtig beendet, vor allem wenn Erzbiershof in der Nähe ist (ja ja: sie waren dabei und Adrian sah so beschätigt aus ;-)). So konnte ich – fast per Zufall –  zwei neue Biere entdecken. Sowohl das Rayon Vert von Green Flash – ein Belgian Style Pale Ale (sowas gibt es wohl nicht und ist eine typische US-Erfindung) – als auch das Short’s Black Cherry Porter waren eine sehr gute Weise, den Abend zu schliessen.

Ein Wort noch über die restlichen anwesenden Brauereien.

Unterländer Bräu – aus Niederglatt – bietet zwar keine grosse Originalität, dafür aber Biere von eher überdurchschnittlichen Qualität. Ich empfehle hier insbesondere das Hanfbier.

Die Dübendorfer Brauerei Monsterbräu war mir schon seit 2009 positiv bekannt. Die zwei neuen Biere – die ich als “Hausarbeit” mitnehmen konnte – von den frisch gebackenen Biersommeliers Andrea Kennel und Dani Schnider haben meinen Eindruck klar bestätigt.

Nicht zuletzt muss natürlich die Anwesenheit von drei Brauereien aus meiner Top Ten Liste erwähnt werden ! Sowohl Urs Flunser (UG-Bräu in Hagenbuch), Hugo Gutknecht (Gutknecht’s Hammerbier in Rümlang) wie auch Ulrich Bösiger (UHB in Burgdorf) gehören zu den besten Botschaftern einer hoch qualitativen Biervielfalt in unserem Land.

In einem solchen Anlass geht es aber nicht nur um die Biere, sondern auch darum, andere Bier-Aficionados begegnen zu können. So traf ich, unter anderen, Philipp Sigg (der Top Schweizer Beerticker mit mehr als 9’000 degustierten Bieren), Thomas Schneider (Mister 2’000 Schweizer Biere), Marcel Vogt (Andorra-Spezialist und Padawan🙂 von Philipp und Thomas), Stef Gysel (ehemaliger genialer Brauer von BeSte und Stef’s Brauerei), Diana Fry (die spannende Biersommelière und Beer Ambassador) und Stefan Hahn (ebenfalls Biersommelier, aus Getränke-Service Hahn in Frauenfeld).

Wer wagt es, noch zu sagen: die Schweizer Bierkultur existiert nicht ? Klar gibt es noch viel zu tun, aber immer mehr Leute arbeiten daran.

Auf jeden Fall müsst ihr das Datum heute schon reservieren: die zweiten Unterländer Biertage werden am 21. und 22. September 2013 stattfinden !

Bis dann: cheers !

Comments
  1. […] Unterländer Biertage […]

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