11_biertage_logoZum 11. Mal fanden zwischen dem 25. und dem 27. April die traditionellen Solothurner Biertage statt. Dieser Anlass bleibt weiterhin und trotz hochwillkommenen „Konkurrenz“ (siehe Liste der Bier-Festivalen auf meiner Homepage) DIE Referenz in der Schweiz.

Persönlich konnte ich dieses Jahr weiterhin mehrere erfreuliche Tendenzen feststellen.

Die Wahl der eingeladenen Brauereien zuerst. Mit 5 Newcomern (6 wenn man The Stillman’s, die aber keine Brauerei ist, dazu zählt) konnten die Organisatoren nicht nur die Auswahl der Bieren erweitern, sondern vor allem die durchschnittliche Qualität sowie die Vertretung der Regionen deutlich verbessern. Mit der Präsenz von Brauereien wie Officina della Birra, Birrificio Ticinese und Brasserie du Chauve konnte kein vernünftiger Besucher den Wegfall von Hasli-Bier und Granicum vermissen. Oder ? Jetzt aber bitte noch Fahrtwind und Knüxx loswerden …

IMG_1705[1]Die positive Entwicklung der schweizerischen Bierkultur. Einerseits bei den Konsumenten: die Zeiten der zweifelnden Mienen vor Biere, die nicht hell und klar sind, sowie der dämlichen Bemerkungen gegenüber unverstandenen Produkten, sind mehrheitlich vorbei. Aber nicht nur: viele Personen sind jetzt neugierig oder wissen bestimmt was sie wollen. Wo früher fast exklusiv Lager hell bestellt wurden, boomen jetzt IPA oder Rauchbiere. Andererseits bei den Leuten, die sich das ganze Jahr mit dem Produkt Bier beschäftigen: man diskutiert über Netzwerk, Bier-Sommelier Ausbildungen, zusammengebrauten Biere; man sucht Synergien und plant Bieranlässe. Leider gibt es noch einige Akteure, die fälschlicherweise meinen, dass die Mikrobrauereien miteinander in Konkurrenz treten. Ganz im Gegenteil profitiert jede vom Erfolg ihrer Kollegen, da die Craft-Bier-Szene dadurch dynamisiert wird. Ein konvertierter Biertrinker wird in Zukunft weniger Massenbiere konsumieren, dafür aber höchstwahrscheinlich Produkte von anderen Mikrobrauereien.

Nick Beltraminelli (Birrificio Ticinese / Bad Attitude)

Nick Beltraminelli (Birrificio Ticinese / Bad Attitude)

Die positive Entwicklung der Biervielfalt. Was einige Pioniere wie BFM, Haldemann, Officina della Birra, Rapperswil Bier Factory oder Trois Dames seit Jahren grossartig praktizieren, fangen jetzt immer mehr andere Brauereien an zu folgen – mehr oder weniger. So präsentierten zum Beispiel – wenn ich richtig gezählt habe – nicht weniger als 12 von den insgesamt 27 anwesenden Brauereien ein IPA. Dieser Bier-Stil, der in der Schweiz zuerst durch die legendäre Bäre-Bräu vor 11 Jahren und dann durch Officina della Birra, BFM und Trois Dames eingeführt wurde, wird jetzt durch unerwartete Brauereien wie Aare Bier oder Jungfrau Bräu – endlich – angeboten.

Von den circa 150 präsentierten Bieren konnte ich 42 neue finden und diese Tatsache ist ebenfalls ein Zeichen der guten Erneuerung der Palette der offerierten Produkten in der Schweiz.

Gabriel Hill (Rapperswil Bier Factory) und Jérôme Rebetez (BFM)

Gabriel Hill (Rapperswil Bier Factory) und Jérôme Rebetez (BFM)

Hier ein kleiner und unvollständiger Überblick von meinen Biertagen 2013.

Das West Coast IPA von Altes Tramdepot ist sicher ein korrektes Bier, das aber einen direkten Vergleich mit der IPA Referenz in der Schweiz, nämlich dasjenige von Trois Dames, nicht aushielt.

Sehr gute Produkte von den Luzerner von Bertbier ! Das Peterli – ein Kölsch – und vor allem das Chömifäger – ein Rauchbier – dürfen nicht verpasst werden.

Das beste Bier des Festivals war meiner Meinung nach das Bad Attitude Two Penny Uischi, ein starkes Porter in Whisky Fässern gereift. Die Tessiner von Birrificio Ticinese haben sich seit ihrem Debüt massiv verbessert und zählen heute klar zu den 10 besten Brauereien des Landes. Nicht zu verpassen war ebenfalls ihr Scrum, ein schönes Saison.

Während ich vor 2 Jahren durch die Biere von Buechibärgerbier fast vergiftet wurde, muss ich diesmal zugestehen, dass sowohl das Hopfenschuss wie auch das Weizen trinkbar waren. Man lernt also, aber der Himmel ist noch nicht ganz blau.

IMG_1696[1]Seit Ende 2012 hat The Stillman’s seine Kollaboration mit der Brauerei Haldemann (die das Rohbier für die Reifung in Whisky Fässern braute) beendet und arbeitet neu mit Fleisch & Brau. Für mich sicher eine Erklärung für den kleinen Rückschritt in der Qualität. Eine andere (bessere) Brauerei scheint aber bald an der Reihe zu sein … Noch mehr zu bedauern ist die Tatsache, dass der Bier Produzent nicht mehr auf den Flaschen erscheint. Informationen zu verstecken nur weil dies nicht verboten ist, ist definitiv eine schlechte Gewohnheit.

Das schlechteste Bier, das ich dort entdeckt habe, kam erstaunlicherweise von den normalerweise soliden Krauchthalern von Hardeggerperle: ich konnte mit ihrem geschmacklosen Chrützfluebier wenig anfangen.

Die Brauerei Jungfrau Bräu zeigte – abseits das durchschnittliche Inferno – 2 gute Biere: das Rotes und das Jungfrau Pale Ale.

Was soll ich über Knüxx sagen … Sie sind zwar besser als die hoffnungslose Fahrtwind aus Winterthur, das schon, aber sie brauen weiterhin unterdurchschnittliche Biere. Diejenigen, die das Jura Gold oder das Hopfä-Häx gern haben, dürfen sofort nicht einverstanden sein und hier einen Kommentar schreiben.

Ich bin weiterhin von Kornhausbräu überrascht und überzeugt: das Lakritz-Porter war sehr gut !

IMG_1695[1]Die Brauerei Officina della Birra, die zum letzten Mal in 2007 in Solothurn war, war ein von den grössten Highlights. Das M13, ein grosszügig gehopftes Bier das dank dem Abschuss vom gleichnamigen Braunbär geboren ist, war wunderschön. Und sowohl das 90Nove wie auch das Apocalisse durften nicht verpasst werden.

Sam’s der Bieler präsentierte ein bescheidenes Hell dafür aber ein exzellentes Amber.

Ich konnte zwei gute Biere von den Newcomern von Sunnegg (Grächen in Wallis) verkosten: das Maibock und das Stout. Hingegen wurde ich von ihrem IPA – Wildsau genannt – nicht überzeugt.

Von Trois Dames hatte ich zwei hervorragende Biere (das ist keine Überraschung): das Sweet & Sour (eine Kollaboration mit Bad Attitude) und das Bise Noire Menthe. Das neue – und umstrittene – Tentation wartet noch bei mir im Keller.

Schlussendlich UHB. Ich kann mich wohl nicht an ein enttäuschendes Bier von Ueli erinnern und es war in Solothurn nicht anders. Ein gutes IPA (Wild Horse), ein noch besseres Sour Red Ale und ein verblüffendes Cranberry Ale. Nice work !

Also nicht verpassen: die 12. Solothurner Biertage werden vom 24. bis 26.4.2014 stattfinden !

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