fest_mondial_de_la_biere_mulhouse_2013Jawohl: diesmal auf Deutsch ! Irgendwie wollte ich – ausnahmsweise – meine unzähligen “schreib-mal-doch-auf-Deutsch“-Lobbyisten befriedigen. Ich will aber keine Kommentare wegen Schreibfehler …😉

Wie geplant wurde der letzte Monat sehr intensiv. Man kann einfach nicht erwarten, dass ich den Mondial de la Bière in Mulhouse sowie die Unterländer Biertage in Oberglatt ohne kollaterale Schaden besuche😉 Es waren also insgesamt 158 Biere, die ich im September verkostet konnte. Von den 18 repräsentierten Ländern ist die Schweiz anzahlmässig mit 41 Bieren wieder ganz vorne. Logischerweise zwar, wobei die USA mit 27 nicht so weit liegen. Italien kommt danach mit 15 (alle wurden in Mulhouse verkostet). Bei den selten anzutreffenden Ländern gab es Liechtenstein (mit dem exzellenten Liechtensteiner Brauhaus Club Bier Dunkel’s und das durchschnittliche Fäscht-Biar von der gleichen Brauerei), Weissrussland und das dubiöse Krinitsa Kult Svetloe, Australien und das sehr gute Ravenator Bock von 3 Ravens und schlussendlich Brasilien mit 7 Bieren, die ich in Mulhouse geniessen konnte. Nun, glaubt ihr mir oder nicht, aber Brasilien entwickelt sich ganz schnell zu einen Top Biernation was Kreativität und Qualität anbelangt. Falls ihr also die Möglichkeit habt, empfehle ich euch Produkte aus Brauereien wie Colorado, Bierland, Bodebrown oder Whitaker & Veiga auszuprobieren.

1/4 der Biere, die ich aus Mulhouse zurückgebracht habe (hier die aus den USA)

1/4 der Biere, die ich aus Mulhouse zurückgebracht habe (hier die aus den USA)

Ein bisschen häufiger als bei den vorher erwähnten Ländern kann man Biere aus Österreich begegnen. Diese waren jedoch für mich selten interessant, bis ich dieses Jahr auf Brauereien wie Stift Engelszell (die neuesten Trappisten), Gusswerk und Bevog gestossen bin. Vor allem die letztgenannte – mit Bieren wie Kramah India Pale Ale oder Ond Smoked Porter – ist ein Muss !

So, die Schweiz jetzt.

In etwa ein Drittel der 41 Schweizer Biere vom letzten Monat habe ich während den Unterländer Biertagen verkostet. Ein toller Anlass, klar, aber seien wir ehrlich: der qualitative Unterschied mit dem Mondial de la Bière, das ich eine Woche vorher besucht habe, ist krass. In der Schweiz gibt es immer noch (oder immer mehr ?) Brauereien, die zweifelhaften Produkte – um es höflich zu formulieren – präsentieren. Das ist für die Glaubwürdigkeit der Bierkultur in unserem Land schädlich. Versteht mich nicht falsch: es waren viele gute bis sehr gute Brauer anwesend – eine klare Mehrheit sogar – aber ein infiziertes oder unreifes Bier kann tiefere Eindrücke als zehn korrekten hinterlassen. Wenn man die Schweizer Bierkultur vorwärts treiben will, muss man professionell agieren. Sogar wenn man – wie fast alle Anwesenden in Oberglatt – keine Profi ist …

und hier die Biere aus Italien

und hier die Biere aus Italien

Vier neue Brauereien konnte ich im September entdecken. Von der Brauerei Fläsche aus Thalwil war das einzige Bier – Gueti Luunä – naja … trinkbar. Nicht mehr und nicht weniger. Ich werde mal abwarten bis ich mich da mit weiteren Produkten eine genauere Meinung bilden kann. Meiga-Bräu (Wangen) und Mythen-Bräu (Zürich) haben Ähnlichkeiten: beide bieten Biere von inkonstanten Qualitäten, die sich zwischen durchschnittlich und … ziemlich untrinkbar bewegen. Bei Mythen-Bräu liegt das Hauptproblem vermutlich bei der Reifung (ein Bier war auf jeden Fall völlig “grün”) weil bei Meiga-Bräu mit DMS-Sorgen bekämpft werden muss. Die 4. neue Brauerei war RAZ Atelier in Herzogenbuchsee. Korrekt, aber nicht mehr.

Und die anderen Schweizer Biere des Monats ? Hier sind einige:

Wirft man jetzt einen Blick auf die schlechtesten Biere des Monats, sieht man – glücklicherweise – keine Schweizer Biere. Aber Nachbarländer schon. Das Grimbergen Rouge von Kronenbourg ist ein Kaugummi und Aspartam-Festival und das Neuzeller Spargel Bier ist eigentich genau was ihr Name verspricht; trinkbar ist es aber gar nicht. Wahnsinn. Das war aber für Platz 1 nicht genug, da das Heidelbeerbräu von der deutschen Brauerei Barther einfach unschlagbar war. Dieses grüne (!) Bier schmeckt wie ein gefährliches chemisches Experiment wo man zusätzlich billiges Parfüm und 1 Kilo Zucker pro Zentiliter beigefügt hätte. Abartig und unrealistisch. Manchmal wäre das Reinheitsgebot eben nicht so nutzlos😉

Allgemein gab es sehr viele gute Biere, viel zu viel um alle anzugeben. Hier sind einige davon:

noapologiesWenn ihr nach dieser Auflistung nicht Durst habt, gebe ich auf …

Es ist jetzt Zeit für das Podium ! Zwei Biere teilen sich den 2. Platz, nämlich ein Double IPA von den Amerikanern von Bluepoint (Patchogue, New York), das Nø Apølogies (10% und 93 IBU) und das ArcheoBirra Etrusca (Anfora) von den Italienern von Birra del Borgo. Das letztgenannte Bier ist eigentlich ein Versuch, ein etruskisches Bier (circa 800 v.Chr.) nachzumachen. Das gleiche Rezept wurde ebenfalls durch die Brauereien Baladin und Dogfish Head, aber in anderen Gärbottichen, produziert. Es lohnt sich die ganze Geschichte in Details hier zu lesen. Ob das Bier damals gleich schmeckte, wage ich es zu bezweifeln …

Die Nummer 1 kommt ebenfalls aus Italien ! Das Piedi Neri von der Brauerei Croce di Malto (Trecate) ist auf ratebeer.com als Abbey Dubbel erfasst, ist aber für mich eher etwas zwischen ein Brown Ale und ein American Strong Ale. Auf jeden Fall ist es ein komplexes, charaktervolles und sehr gehopftes Bier, das ich jetzt, während ich ein Beck’s Asia trinke, wirklich vermisse …

cheers !

Comments
  1. Toni Hutter says:

    Guten Abend Philippe

    Ganz, ganz herzlichen Dank. dein Deutsch ist um Meilen besser als mein Franzsisch oder Englisch…..wre wirklich toll, wenn du jeweils eine Deutsche Uebersetzung verschicken wrdest……aber es gibt natrlich viel Arbeit…..

    War “leider” in Berlin an der GV der 100.-jhrigen Jubilums-GV der GGB…..und konnte nicht nach mulhouse. Wie war es und findet der Anlass nchstes Jahr wieder statt? – wann und wo?

    Mit hopfigen Grssen Toni

    • Bov says:

      Tja, die Übersetzung wäre natürlich optimal … aber wie du es sagst, aufwendig … Und wie du anhand vom Kommentar unten siehst, habe ich auch Französischsprachige Leser😉
      Mulhouse war toll. Vor allem die italienischen Biere waren beeindrücklich. In 2014 wird es in Rennes stattfinden (25. bis 28. September). In der Zwischenzeit startet aber das Mondial de la Bière in Brasilien (Rio de Janeiro, 14. bis 17 November 2013) !

  2. Grégoire Bovy says:

    Plus de bière du mois en français ?

    Merci pour ce super blog que je suis depuis plus de deux ans maintenant.

    Grégoire (weark on ratebeer)

    • Bov says:

      Merci de ton commentaire et de ta fidélité, Grégoire ! Suite à des demandes répétées de mes lecteurs germanophones, j’ai décidé d’en sortir un en allemand. Pour la suite toutefois, je pense les faire en majorité en français (en tous les cas 3 sur 4).

  3. Sven says:

    Ein toller Text über verschiedene Biersorten. Mir am liebsten ist irisches Bier wie Stout oder Ale. Diese Biersorten schmecken einfach Weltklasse.

    Viele Grüsse
    Sven

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