Schweizer Biermarkt 2013

Posted: November 22, 2013 in Swiss beer scene
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So, das Pressecommuniqué des SBV (Schweizer Brauerei-Verband) mit den Zahlen vom Braujahr 2012/13 (1. Oktober 2012 bis 30. September 2013) wurde gerade veröffentlicht. Was ist hier zu sehen ? Eigentlich nichts Neues, da die Tendenzen von den letzten Jahren sich bestätigen.

Während den Bierimporten noch mehr als üblich zugenommen haben (+ 99’132 Hektoliter), hat sich der Inlandausstoss weiterhin reduziert und das nicht wenig nämlich um 143’019 hl. Der Gesamtbiermarkt hat also um 0.9% abgenommen. Hier eine Grafik, die die Entwicklung der Bierimporte und des Inlandausstosses darstellt:

import_inlandausstoss

In Anbetracht dessen, dass:

  • jährlich circa 30 Brauereien mehr gibt,
  • praktisch alle regionale und überregionale Brauereien ihre Produktion erhöht haben (Egger und Rugenbräu ausgenommen),
  • und die Bevölkerung immer mehr Interesse an gute Biere zeigt (was der Erfolg von sämtlichen Mikro-, Nanobrauereien und spezialisierten Bierbaren bestätigt)

können die grossen Verlierer eindeutig identifiziert werden, nämlich das Duopol Carlsberg und Heineken.

Die nächste Grafik zeigt die neue Aufteilung des Biermarktes:

swiss_markt_2013

Es ist zu bemerken, dass alle Zahlen belegbar sind, ausser die von Carlsberg und Heineken, die seit langen Zeiten ihre nicht mehr veröffentlichen. Die Summe aber des Marktanteils von diesen 2 Konsortien ist aber eindeutig und liegt bei 52.6% (Vorjahr 55.2%). Nur die Aufteilung zwischen diesen beiden musste ich – basierend auf Zahlen von Vorjahren – schätzen.

Der SBV – wo notabene nur 4 von ihren 16 Mitgliedern eine Abnahme ihrer Produktion hinnehmen müssten – hat natürlich wie immer schöne Erklärungen für diese unangenehme Situation, die einige Zeitungen als “Krise im Schweizer Biermarkt” betiteln haben. Was sind diese ?

Zuerst das schlechte Wetter.

Während ich bereit bin, diese Erklärung für die 0.9% Abnahme des Gesamtbiermarkts gelten zu lassen, wäre ich aber froh, wenn Herr Marcel Kreber – Direktor des SBV – mir erklären würde, wieso das schlechte Wetter keinen negativen Einfluss auf Importbiere hatte. Ganz im Gegenteil sogar ! “Hmm, heute ist es nicht sehr warm, ich werde also ein Sagres anstatt mein Feldschlösschen trinken“. Bitte … Dies ist also keine Erklärung für die Abnahme des Inlandausstosses.

Dann die Euroschwäche.

Ja, klar. Wobei mit einem Euro auf  1.70 wäre die Situation nicht besser. Die Tatsache bleibt: wenn man Massenbiere in der Schweiz produziert, kann man auf keinen Fall die importierten Billigbiere konkurrieren. Achtung: ich bin nach wie vor  überzeugt, dass Biermarken wie Eichhof oder Feldschlösschen besser als Karskrone, Kronenbourg oder Sagres sind. Aber der Preisunterschied, der sich manchmal um einen Faktor 3 oder 4 handelt, kann sich nicht rechtfertigen und dies vor allem nicht gegenüber das Zielpublikum, nämlich die absolute Mehrheit von ahnungslosen und uninteressierten Biertrinkern.

Und sonst ? Ahh, klar: die ominöse Stammtischkultur, die nicht mehr wie früher gepflegt wird, sowie die Rauchverbote.

Die zunehmende Tendenz, daheim zu trinken, ist nichts Neues. Dass dies die 2 Giganten frustriert, verstehe ich schon. Es genügt also nicht, eine halblegale Kontrolle über die Restaurante zu haben …

Die Inlandbrauereien geben sich aber kämpferisch” liest man im Pressecommuniqué. Und wie ? “Mit einer wachsenden Biervielfalt, grosser Innovationskraft und hohen Qualitätsansprüchen“. Ernsthaft ? Was ist bei Heineken/Carlsberg eine wachsende Biervielfalt ? Die etwa 40 geklonten Marken von Lagerbieren, die völlig austauschbar sind und sich durch den Braumeister nicht erkennen lassen ? Dann, wo ist die grosse Innovationskraft ? Das neue Cardinal Eve Spiced Mandarine und das Feldschlösschen Stark ? Und die Qualitätsansprüche ? Ist damit vielleicht das high gravity brewing Verfahren gemeint ? Naja … Und schlussendlich wird uns verzählt, dass der Ausbildungskurs zum Schweizer Bier-Sommelier eine Massnahme gegen Stagnation ist. Obwohl dieser Kurs ganz brav durch den SBV kontrolliert ist, muss man schon naïv sein, um zu denken, dass die Bier-Sommeliers Produkte aus den grossen Schweizer Brauereien hervorheben werden. Es sei denn natürlich, diese Bier-Sommeliers für den SBV arbeiten😉

Vor etwa 6 Jahren habe ich mal prognostiziert, dass sich Carlsberg (oder Heineken) aus der Schweiz zurückziehen wird. Ich glaube an meine Prognose heute umso mehr, denn beide Firmen einerseits mit den Preisen von den Importbieren nie mitmachen werden können und andererseits unfähig sind (im Gegenteil zu Schützengarten oder Felsenau zum Beispiel) Innovationen auf dem Markt zu bringen. Und, angenommen dass es plötzlich ein Feldschlösschen Double IPA geben würde, wer würde das trinken ? Nicht der Stammtisch Trinker, das interessiert ihn nicht. Und auch nicht der neugierige Biertrinker, da bei ihm das Image von Feldberg und Heineksschen bis in alle Ewigkeit zu negativ ist.

cheers !

Comments
  1. Wieviel von den 26.1 % Importen stammt denn aus den Braukesseln, die Heineken und Carlsberg gehören?

  2. Bov says:

    Gar nichts. Die Heineken/Amstel/Carlsberg/… die in der Schweiz produziert werden, zählen nicht als Import.

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