arabierNicht ganz im Schlafmodus, aber ähnlich ruhig wie im Dezember verlief der erste Monat von 2014: „nur“ 57 verschiedenen Biere aus 15 Ländern fanden den Weg zu meinen Geschmacksknospen.
Einen Grund dafür war teilweise mein Entscheid, einige (9) alte belgische Klassiker erneut zu prüfen, bei deren meine Notizen älter als 10 Jahren waren. Während den ersten 15 Jahren meines Bier-Hobbys war ich fest überzeugt, dass Belgien diskussionslos die besten Biere der Welt produzierte. Diese Meinung – die natürlich durch viele andere Personen geteilt wurde – war bei weitem nicht unberechtigt: einerseits waren die Kreativität und die Vielfalt der belgischen Brauern enorm und andererseits war die heutige Bierrevolution noch am Anfang und hatte die Schweiz noch nicht erreicht. Jetzt sehe ich das anders und Belgien liegt zurzeit hinter Schottland, die USA, Norwegen und Dänemark nur noch an Platz 5 in meiner Rangliste. Hier haben 2 Faktoren eine Rolle gespielt: Belgien war sehr lange überzeugt – wie Deutschland – die beste Bier Nation zu sein und blickte deswegen sehr lang herablassend auf die Craft-Beer-Revolution, was ihren heutigen Rückstand daraus resultiert. Und natürlich hat sich mein Geschmack während 26 Jahren leicht geändert und ich bekunde zum Beispiel heutzutage ab und zu Mühe mit Bieren, die viele Restsüsse zeigen – ein Merkmal von vielen belgischen Bieren.
aubrigWas ergab sich also aus den erneuten Verkostungen von diesen belgischen Klassikern ? Zuerst sicher eine Bestätigung über was ich gerade geschrieben habe: das Problem mit der Restsüsse. Hier haben vor allem das Tripel Karmeliet und das Delirium Tremens gelitten und obwohl meine Bewertungen für diese Biere gut bis korrekt bleiben, liegen sie jetzt viel tiefer als damals. Ähnlich aber nicht so stark mussten Biere wie La Chouffe, Duvel (bei diesem war ich erstaunt) und Kwak Rating-Punkte ebenfalls zurückgeben. Bei den beiden CantillonRosé de Gambrinus und Kriek – blieb es (und dies 13 Jahre später) haargenau gleich (gut). Einzig konnte sich das Arabier von De Dolle verbessern und sogar klar. Es ist vermutlich kein Zufall, dass es sich bei diesem Panel um das bitterste Bier handelte …
Es ist jetzt mal Zeit, über die neuen Biere zu plaudern. Die Schweiz konnte ihren ersten Platz bei der Anzahl von Bieren zurückerobern (22), klar vor die USA (10) und Frankreich (4). Neue Schweizer Brauereien hat es 2 gegeben: während ich noch mit meiner Meinung über Gili Bräu (Münsingen) warten will, kann ich jetzt schon sagen, dass die Brauerei Innerthal (Kanton Schwyz) mit ihren Aubrig Bieren sehr gute Produkte präsentiert ! Hier mal eine kleine Zusammenfassung der anderen Bieren aus der Schweiz:

  • das Pale Ale von Brasserie des Condémines bestätigt leider die arme Qualität dieser Brauerei;
    IMG_2310[1]

    La Charnière (Brauerei l’Éphémère)

  • das Baselbierter Hell – ein Bier, das durch Lägerebräu gebraut wird – bekommt von mir eine durchschnittliche Note für Ihre Qualität und eine sehr schlechte für die Tatsache, dass der Produzent nicht deklariert ist (böse Buben !);

Schlechte – sogar sehr schlechte – Biere gab es einige. Besonders beteiligt hier war die “schweizerische” Brauerei Feldschlösschen mit ihren grausamen Alkoholfrei und Cardinal Eve Spiced Mandarin. So übel aber diese beiden Biere waren, hatten sie keine Chancen gegen das unglaubliche Super Bock Tango von Unicer (Portugal). Ganz ehrlich: wie kann man so was brauen ??

Zum Glück gab es – wie immer – bei weitem viel mehr gute Produkte als schlechte. Hier eine nicht erschöpfende Liste von den besten Bieren, die ich im Januar verkostet konnte:

Dies bringt uns zum Podium, zwar nicht ein olympisches aber trotzdem ein sehr schönes und auf jeden Fall garantiert “nicht korrupt”😉

An dritter Stelle rangiert schon wieder ein amerikanisches Bier mit dem Evil Twin Lil’B (ein generöses Imperial Porter mit 11.5% Alkohol) von La_Brasserie_du_Mont_Saleveder in diesem Monat omnipräsenten Brauerei Two Roads. Zweiter wird eine von mir altbekannte und sehr geliebte belgische Brauerei, nämlich Rodenbach mit ihrem exzellenten Caractère Rouge, ein komplexes fruchtiges Sour Ale.

Und der eindeutige Sieger im Januar kommt aus der wunderbaren französischen Brauerei Mont Salève: das Nouveaux Mondes ist ein sehr aromatisches und endvergorenes Imperial IPA, das mit 8 Volumenprozenten und trotz (oder dank ?) einer sehr ausgeprägten Bitterkeit gefährlich trinkbar ist.

cheers !

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