Posts Tagged ‘Hasli’

jamesbraeuWie im letzten Artikel versprochen, möchte ich detaillierter auf die 103 neuen Schweizer Biere, die ich im März verkostet habe, zurückkommen. Meine Bewertungen können über die Links – die nach den Brauereien-Seiten auf Ratebeer.com führen – nachgesehen werden.

Kanton Aargau

feldNur 3 Biere hier, was eigentlich wenig ist für einen Kanton, der hinter Bern und Zürich die 3. grösste Anzahl von Brauereien mit 55 vorzeigt. Und Biere aus sehr unterschiedlichen Brauereien, von JamesBRÄU (5 Hektoliter) und ihr Coffee Stout bis Feldschlösschen (circa 1,5 Mio. hl) und ihr “Innovation des Jahres” Braufrisch über Lägere Bräu (1’800 hl) und ihr Whiskey Porter. Dass meine Vorliebe genau nach Anzahl Hektoliter umgekehrt sortiert ist, ist selbstverständlich purer Zufall. Oder ?

Kanton Appenzell

Die ambitionierte und erfolgreiche Brauerei Locher (160’000 hl und bald mehr als 200’000) konnte mich mit ihrem Glühbier überhaupt nicht überzeugen. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass ich so was kaum trinken kann, egal welche Brauerei das produziert.

Kanton Bern

braubarGanz logisch, dass Bern mit 27 neuen Bieren quantitativ dominiert hat: nicht nur wohne ich hier aber vor allem hat dieser Kanton mit 94 eindeutig am meisten Brauereien von allen.

Während Aare Bier mit ihrem Dunkel ihre Biervielfalt-Allergie weiterhin bestätigt, sieht es bei den anderen ganz anders aus und sogar Hasli-Bier – die ihren ungeschickt gewählten Name ganz gerne verschwinden lassen würde – zeigt mit ihrer neuen Marke “49er” endlich ein bisschen was (Imperial Stout, Red Ale und Draft Beer).

Bei Barbière konnte ich 5 neue Biere entdecken. Das IPA Equinox, das Ali und das Mosart sind wirklich empfehlenswert. Und die anderen sind nicht weit hinten.

Dass Blackwell bei mir nicht automatisch einen Volltreffer bedeutet, zeigte das merkwürdige (aber nicht nur) Tannenbaum Effect 2.0 Brown Spruce IPA. Aber sowohl das Huell Melon T’Artagnan Berliner Weisse wie auch vor allem das Shishiga Universal Stout (Platz 2 des Monates) konnten den Eindruck meisterlich wiederherstellen. Wohlgemerkt: es sind 14,2% Alkohol Unterschied zwischen diesen 2 Bieren …

BRAUBAR macht gute Sachen, sehr gute sogar ! Das Hop Burst und das Later Red waren die Highlights unter den 4 neuen Bieren, die ich trinken konnte.

bryggerolRoger Brügger, der erste Schweizermeister der Bier-Sommeliers , steigt dank seinen exzellenten American IPA Nelson S. und I Bleed Black in meinem Ranking der Schweizer Brauereien weiter auf: Brygger Øl wird es wohl bald in der Top 20 schaffen und es könnte wohl weitergehen.

Immer gut, präzis und interessant: Burg Braui und das Mentha.

Nicht weit von meinem Wohnort entfernt, Patrick Domenig von Chicco-Bräu (Nidau) zeigt sein Können von Anfang an: Hoppy Pale Ale, Nelson lager und Nelson Weizen.

chiccoSein Pale Ale sorgte scheinbar für diverse Reaktionen, war für mich aber ok: Danidrinks.

Eine weitere neue Brauerei aus meiner Region ist la Courtysane (Courtelary). Ich hatte bis jetzt nur ein Bier, das überdurchschnittliche Teresina und freue mich schon auf weitere Sorten.

Drei neue Biere von mein Emmental (ä Böbu, ä Düderler und ä Röbu) konnten die Enttäuschung von letzten Mal teilweise korrigieren, ohne jedoch eine grosse Überzeugung bei mir zu bewirken.

Kanton Graubünden

surselvaDie Brauerei Engadiner Bier überzeugt mit Morteratsch Bier und Pöstli Bräu nach wie vor. Dies ist weniger der Fall bei Surselva Bräu: die 2 Biere, die sie für das Benediktiner Kloster Disentis brauen – St. Placi Goldhelles Spezial und Weizenbier – sind ungenügend bis durchschnittlich.

Kanton Jura

Von vielen vergöttert und ebenfalls von vielen unverstanden, da ist sie: l’Abbaye de Saint Bon-Chien in seiner Grand Cru Version 2014 (Frenchy Sparkling Wine) von BFM natürlich. Da dieses Bier den ersten Platz des Monates belegt, ist wohl klar in welcher Kategorie ich mich befinde.

Kanton Luzern

Hier konnte sich Goliath-Eichhof – mit seinem erstaunlich gut gelungenen Kulturbräu – gegen David-Sankt-Maria – und sein betrübliches No7 Weizen Dunkel (NB schlechtes Bier des Monates) – klar durchsetzen.

Kanton Sankt-Gallen

kornhausEin korrektes Bier von Kornhausbräu (der Herbst) und ein ebenfalls korrektes Bier von Sonnenbräu (Annett’s Büezer). Schlechtes Wetter hingegen bei Stadtbühl mit dem miserablen Zwickel und dem noch schlimmeren Minimal. Hilfe …

Wie man es richtig macht, zeigt die Brauerei Sennbräu mit 5 guten bis sehr guten Bieren wie das Farmhouse Ale und das Landbier.

Kanton Thurgau

barfussEine neue und ziemlich gute Brauerei zuerst mit Barfuss (Black Monkey, Secret Service und Sleeping Bear) und dann eine neue (wobei nur für mich, da diese seit 2005 gibt) und ziemlich schlechte Brauerei mit Element (Feuerkelch, Kloster und Pils). Stolz sein, nach Reinheitsgebot zu brauen, genügt wohl nicht …

Ein sicherer Wert in diesem Kanton bleibt weiterhin das Brauhaus Sternen mit seinem Rauchbier.

Kanton Tessin

rudbirHier konnte ich ebenfalls 2 neue Brauereien entdecken, beide recht gut !

Bei Birra Schmid haben mich sowohl das Coast Ale wie auch das Dry Stout überzeugt. Bei Rud Bir war es mit dem Imperial und dem Stellare sogar noch besser.

Von Bad Attitude (Birrificio Ticinese) konnte ich das sehr gute Strange Love wie auch das anständige Grauvogel verkosten.

Kanton Waadt

tempsDieser Kanton zeigte eine starke Präsenz mit nicht weniger als 15 neuen Bieren und vor allem 4 neuen Brauereien ! Fangen wir mit diesen an:

  • die Brasserie du Temps ist viel versprechend mit Bieren wie vor allem Tempérance und Boule à Neige.
  • gut ebenfalls die Brasserie la Drêche mit seinem Kürbis-Bier Ale’Oween (und es braucht schon was, damit ein solches Bier mich anspricht)
  • interessant und gut gemacht war das Car Rouge von Echec & Malt
  • hingegen war das Bjer von Concorde ein Versager

nebuleuseDa wir gerade bei den Enttäuschungen sind, fahren wir gerade weiter:

Dann, bessere Produkte mit dem Bière Rousse au Gingembre von Cathélaz, Caribou von la Nébuleuse, Grand Cru 2013 von les Faiseurs de Bière (eine jetzt leider geschlossene Pionier-Brauerei) und vor allem Tropicale IPA von Trois Dames.

Kanton Wallis

tardivWenn ich an diesen Kanton denke, kommen mir zuerst 2 Sachen in den Sinn: zu viele bescheidene bis sogar schlechte Brauereien einerseits und die vermutlich innovativste Brauerei der Schweiz andererseits (doch, doch, es gibt schon was inzwischen)

Als Vertreter der erste Kategorie traf ich das arme Bonnefille la Rousse von Tardiv, während mich nicht weniger als 8 neue Biere von Brasserie des 5 Quatre Mille mehr als glücklich gemacht haben (die besten waren Mosaic is Back, 3xC Porter und Session IPA).

Kanton Zürich

Nicht wirklich begeistert hat mich die Entdeckung der Brauerei Aathaler-Bräu. Die 5 Biere, die ich erhalten konnte, schwankten zwischen leicht überdurchschnittlich (Black Bull Irish Stout und Ginger Ale) und schlecht (Pale Ale). Verbesserungspotential ist klar vorhanden.

wehntalVon der 2. für mich neuen Brauerei des Kantons, Braumanufaktur Sunneberg, hatte ich nur ein Bier: Red Ale. Es war aber gut und ich hoffe schwer, bald neue Sorten finden zu können.

Vier neue Biere aus Bierzunft Wehntal haben meinen sehr mässigen Ersteindruck – der 3 jährig war – meisterlich verbessert ! Biere wie Ekaterina, DIPA oder Brown Ale sind einfach exzellent.

Gut ebenfalls war das Imperial IPA von Doppelleu und noch besser das neue Storm&Anchor IPA.

turbinenEine Stufe tiefer, jedoch weiterhin ok, findet man Turbinen-Bräu und sein Cortina sowie UG Bräu (UG-Maibock und UG-Sauer Alt).

Wie immer ganz stark war die zweitbeste Brauerei im Kanton – Gutknecht’s Hammer-Bier – mit Choco-Chili-Porter, Rhubarby Doppelbock und XXl IPA.

cheers !

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Die jetzt traditionellen und für jeden Bierliebhaber unumgänglichen Biertage fanden für das 9. folgende Jahr von 28. bis am 30. April in der historischen Solothurner Rythalle statt.

Diese Veranstaltung versammelte heuer 20 Kleinbrauereien aus der Schweiz (die grösste war Felsenau mit ihren 10‘000 Hektolitern) und präsentierte damit eine Auswahl von etwa 100 Bieren.

Dass in diesem Anlass nicht unbedingt die gedämpfte Atmosphäre einer Weinausstellung herrscht, weiss mittlerweile jede Person, die vor Ort nach 19 Uhr anwesend war. Die massive Präsenz von ahnungslosen und vor allem uninteressierten Leuten, deren einziges Ziel sich zu besaufen ist, sowie die teilweise betäubende Musik sind Bedingungen auf die ich persönlich gern verzichten würde. Immerhin ist der allgegenwärtige Rauch jetzt verbannt…
Obwohl … was das Interesse anbelangt: mir wurde in den letzten 2 Jahren gesagt, dass die Neugier für Spezialitäten, wie zum Beispiel Stout oder IPA, bei den Besuchern gestiegen ist. In welchem Ausmass weiss ich nicht; erfreulich ist es aber auf jeden Fall.

Treffpunkt

Nichtsdestotrotz sind die Solothurner Biertage ganz klar einen Treffpunkt für Bierexperten. Dieses Jahr konnte ich also wieder einer breiten Palette von Prominenzen aus der Schweizer Bierwelt begegnen.

Zuerst natürlich viele Brauer, wie Freddy Haldemann, Jérôme Rebetez, Stephen Hart, Raphael Mettler, Ulrich Bosiger, Christian Schenkl, Beat Rohner, Claude Degen und Michael Hanreich. Dann ist es immer ein Vergnügen, sich mit Biertage- und Öufi-Chef Alex Künzle zu unterhalten. Und es waren noch viele Personen, die alle zusammen ein gigantisches Fachwissen tragen: Biersommelier und „Erzbierschof“ Anton Flükiger; EBCU-Vizepräsident und lebende Bierenzyklopädie Laurent Mousson; GFB-Vizepräsident Toni Hutter; Heimbrauer-Idol Richi Leder; ehemaliger Brauer Lars Hovind; Biergenuss Redaktor Reto Rudolf; Bierjäger Philipp Sigg und Thomas Schneider; Bierjägerin beerlady; Bier-Globetrotter Pascal Sauser und die Sammler Hansruedi Giger und Bruno Sidler.

die Teilnehmer

20 Brauereien waren bei dieser 9. Edition anwesend. Zum ersten Mal dabei war die exzellente Brauerei Hohgant aus Schangnau, die ich vor einigen Monaten besucht habe.
Wie gewöhnlich blieb ich meinem Prinzip treu und fokussierte mich ausschliesslich auf die von mir noch unbekannten Biere. Dies hatte zum Nachteil, dass ich meine 3 Lieblings Schweizer Brauereien, die alle vor Ort waren, nämlich BFM, Trois Dames und Rappi Bier Factory, gänzlich ignorieren „müsste“ (die Welt ist bekanntlich nicht immer perfekt …)

Den Tiefpunkt teilten sich Fahrtwind (ehemaliges Mobile-Bräu) und die Solothurner von Buechibärgerbier. Während ich seit langen Zeiten nichts Gutes von den Winterthurern mehr erwarte (das haarsträubende Fahrtwind Caramel war die x-te Bestätigung), muss ich hingegen zugeben, dass ich von den 3 neuen Bieren von Buechibärgerbier enttäuscht wurde. Weil das Hanf Bier noch trinkbar war, waren das Pseudo-Dunkel, Schlossfrüsch genannt, und vor allem das widerliche Grabefrüsch (Reste eines missglückten Sudes ?) einfach beschämend.
Kaum besser waren das Knüxx Bozen (ein fraglicher Weizenbock), das scheue geschmacklose Honigbier von Hardeggerperle, das kuriose Festbier von Hasli und das unausgewogene Granicum Rauchbier.

So werdet ihr sagen, gab es nichts Gutes ? Doch, doch … fangen wir mal mit der Brauerei Napf (die ihre Installationen seit bald 2 Jahren von Huttwil nach Walterswil umzieht…) und ihr interessantes rauchiges Füürwehrbräu an. Dann gab das aromatische und schmackhafte Seeland Bräu Märzen. Erstaunlich war nicht die gute Qualität dieses Bieres (die Nidauer sind einfach prima!), sondern die Tatsache, dass ich nach Solothurn fahren musste, um ein neues Bier zu finden, das aus einer von mir 4 Kilometer entfernten Brauerei stammt. Sowas kann sich ergeben: ich habe mir sogar einmal ein von mir unbekanntes Schweizer Bier aus den Vereinigten Staaten schicken lassen. Allerdings handelte es sich um das verstorbene Caesarus Imperator von Hürlimann, ein Bier das ich in der Schweiz nie finden konnte.

So, zurück zum Thema und zu den besten Bieren, die ich in der Rythalle probieren konnte.
Ja, das Hohgant Honig ist ein sehr gut gebrautes Bier, aber die Produkte von Haldemann waren einfach nicht zu schlagen ! Dass Freddy ein sehr begabter Brauer ist, weiss ich seit März 2003, als ich zum ersten Mal seine Biere verkostet habe. Leider entschied Freddy wenig später, seine Biere … wie kann ich es sagen … zu planieren. Sein Ziel war es, die Mehrheit der Leuten anzusprechen, was ihm vorher mit seinen anspruchsvollen Bieren nicht gelang.

Seinen Entscheid bedauerte ich natürlich, aber jede Person muss wohl seinen Weg selber finden. Fairerweise muss man aber auch gestehen, dass die Schweizer Biertrinker damals für seine Biere gar nicht bereit waren. Heute hat sich einerseits die Situation ein bisschen entwickelt und andererseits (vor allem ?) hat Freddy sicher festgestellt, dass der Weg der Kompromisse allein in die falsche Richtung geht.
Lange Rede, kurzer Sinn: das Resultat ist da ! Das Böhmische: ein subtiler jedoch kraftvoller Dunkler Bock, der man gern literweise trinken könnte; das Pale Ale, ein sehr aromatisches und hopfenbetontes 7,2% Bier, das ich als englischer strong ale bezeichnen würde; das Schwarzbier, vollmundig, malzig und stark und schlussendlich das wunderbare Osterbock 2011, ein komplexer, malziger und hopfenbetonter 7,4%Doppelbock.

Sind das nicht gute Gründe genug, um die nächsten Solothurner Biertage nicht zu verpassen ?